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	<title>Ereignisse Archive - Funkstadt Nauen</title>
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	<description>Eine Stadt mit Geschichte</description>
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	<title>Ereignisse Archive - Funkstadt Nauen</title>
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		<title>Gebhard Eckler aus Nauen klagt an!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Jan 2023 09:49:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ereignisse]]></category>
		<category><![CDATA[Nauen Ausführlich]]></category>
		<category><![CDATA[Persönlichkeiten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im September Anno 2001 jährte sich zum einhundertsten Male der Beginn der Präsentation Nauener- und havelländischer Geschichte im Rahmen eines Museums. Von mir dereinst höchstselbst ins Leben gerufen und mehr als zwanzig Jahre betreut. Eine gewisse Unruhe und auch Neugier überkam meinen Geist nach all den Jahren und es trieb mich an den Ort meines [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2023/01/gebhard-eckler-museumsdirektor-nauen.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2023/01/gebhard-eckler-museumsdirektor-nauen.jpg" alt="Gebhard Eckler, Direktor des Stadtmuseums Nauen" class="wp-image-1354" width="250" height="250" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2023/01/gebhard-eckler-museumsdirektor-nauen.jpg 1000w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2023/01/gebhard-eckler-museumsdirektor-nauen-300x300.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2023/01/gebhard-eckler-museumsdirektor-nauen-150x150.jpg 150w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2023/01/gebhard-eckler-museumsdirektor-nauen-768x768.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2023/01/gebhard-eckler-museumsdirektor-nauen-676x676.jpg 676w" sizes="(max-width: 250px) 100vw, 250px" /></a></figure></div>


<p>Im September Anno 2001 jährte sich zum einhundertsten Male der Beginn der Präsentation Nauener- und havelländischer Geschichte im Rahmen eines Museums. Von mir dereinst höchstselbst ins Leben gerufen und mehr als zwanzig Jahre betreut.</p>



<p>Eine gewisse Unruhe und auch Neugier überkam meinen Geist nach all den Jahren und es trieb mich an den Ort meines Lebens und Schaffens&#8230;in freudiger Erwartung, mein Lebenswerk gewachsen und aufs Beste vervollständigt zu sehen&#8230;</p>



<span id="more-1343"></span>



<p>Aber wie musste ich mich doch wundern beim Besuch des von mir so geliebten Nauener Heimatmuseums! Bittere Tränen hätte ich vergießen wollen, angesichts dieser altehrwürdigen Stadt im havelländischen Luch, welcher offensichtlich sowohl der Stolz, als auch jegliches Interesse an der eigenen langen und durchaus bedeutungsvollen Geschichte abhanden gekommen schien.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2023/01/gebhard-eckler-nauen-705x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1347" width="150" height="218" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2023/01/gebhard-eckler-nauen-705x1024.jpg 705w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2023/01/gebhard-eckler-nauen-206x300.jpg 206w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2023/01/gebhard-eckler-nauen-768x1116.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2023/01/gebhard-eckler-nauen-1057x1536.jpg 1057w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2023/01/gebhard-eckler-nauen-676x983.jpg 676w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2023/01/gebhard-eckler-nauen.jpg 1409w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /><figcaption class="wp-element-caption">Gebhard Eckler<br>gezeichnet: Mütrix</figcaption></figure></div>


<p>Kaum Jemand wusste dieser Tage von weiter zurückliegender Zeit zu berichten, als seine Eltern sie erlebt hatten&#8230;vom Zustand des Museums in seinem einhundertsten Jahr ganz zu schweigen!</p>



<p>Gar bei der ersten Austellung im Realprogymnasium Anno 1901 übertraf meine Privatsammlung an Wert und Umfang bei Weitem den Anno 2001 im &#8222;Heimatmuseum&#8220; ausgestellten Tand und Krimskrams!</p>



<p>Wo waren sie geblieben, all die Kleinodien und historischen Juwelen des Havellandes, die sich bis zum Ende meiner Tätigkeit als Museumsdirektor hier angesammelt hatten? Wo waren all die Bodenfunde aus germanischer und slawischer Zeit, wo waren die märkischen Volkstrachten und all die anderen Referenzen der heimischen Geschichte, welche einst von wohlwollenden Mitmenschen an dieses Museum gegeben wurden?</p>



<p>Alles in mir weigerte sich, in dieser &#8222;Ausstellung&#8220; ein Stadt- oder Heimatmuseum zu sehen!</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><a href="https://shop.nauen.eu" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><img decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2023/01/nauen-shop-gebhard-eckler.jpg" alt="" class="wp-image-1345" width="269" height="320" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2023/01/nauen-shop-gebhard-eckler.jpg 538w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2023/01/nauen-shop-gebhard-eckler-253x300.jpg 253w" sizes="(max-width: 269px) 100vw, 269px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Erhältlich im Nauen-Shop<br><a href="https://shop.nauen.eu" target="_blank" rel="noreferrer noopener">shop.nauen.eu</a></figcaption></figure></div>


<p>Der Schock saß tief und ich wandte meiner einstigen Heimatstadt den Rücken zu, in der festen Absicht niemals wieder zurückzukehren&#8230;doch die Unzufiedenheit war stärker und trieb mich nach nochmals zehn Jahren wieder hierher.</p>



<p>Und siehe da, ganz offensichtlich hatte sich etwas getan in den Köpfen der einheimischen Bevölkerung! Nicht nur die Kultur der märkischen Bauern und Bürger wurde nun wieder recherchiert, aufbereitet und einer breiten Öffentlichkeit im Rahmen von historischen Festen und Stadtführungen präsentiert, sondern auch die semnonisch-germanische Frühgeschichte des Havellandes von geneigten Geistern erforscht und dargestellt!</p>



<p>Selbst wenn das Museum der Stadt Nauen bis dato diese Bezeichnung immer noch kaum verdient, sehe ich diesbezüglich hoffnungsvoll in die Zukunft, denn da wo ein Bewusstsein für Heimatgeschichte vorhanden ist, werden sich auch willige Unterstützer finden!</p>



<p>Anno 2021 werde ich wiederkehren um die Fortschritte zu betrachten und mich am Interesse der Menschen zu erfreuen&#8230;</p>



<p><strong>So schließe ich nun mit den Worten des großen J. W. Goethe:</strong></p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;Wer nicht von dreitausend Jahren<br>Sich weiß Rechenschaft zu geben<br>bleib im Dunkeln unerfahren<br>mag von Tag zu Tage leben&#8220;</p>
</blockquote>



<p>Euer Gebhard Eckler</p>



<p><em>(Die Geschichte ist fiktiv, der Hintergrund aber basiert auf einer wahren Begebenheit)</em></p>
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			</item>
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		<title>Schicksal der Familie Homburger &#8211; Teil 1 &#8211; Jüdisches Leben in Nauen</title>
		<link>https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil-1-juedisches-leben-in-nauen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Dec 2022 04:59:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ereignisse]]></category>
		<category><![CDATA[Nauen Ausführlich]]></category>
		<category><![CDATA[Persönlichkeiten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die ersten Juden in Nauen &#8211; Bereits im Mittelalter gehörte Nauen zu den märkischen Städten in denen Juden ansässig waren. Im Jahre 1315 „schenkte“ Markgraf Waldemar der Stadt zwei Schutzjuden. Durch den Aufenthalt dieser Schutzjuden hatte Nauen eine sichere Einnahmequelle, denn diese mussten ein entsprechendes Schutzgeld entrichten. Meist wurden die Juden am Rand der Stadt [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Die ersten Juden in Nauen &#8211; Bereits im Mittelalter gehörte Nauen zu den märkischen Städten in denen Juden ansässig waren. Im Jahre 1315 „schenkte“ Markgraf Waldemar der Stadt zwei Schutzjuden. Durch den Aufenthalt dieser Schutzjuden hatte Nauen eine sichere Einnahmequelle, denn diese mussten ein entsprechendes Schutzgeld entrichten. Meist wurden die Juden am Rand der Stadt untergebracht und auch nur dort geduldet. Juden wurden auch immer wieder für den Ausbruch von Epidemien, Hungersnöte oder Verteuerungen verantwortlich gemacht. Aber trotz solcher Verleumdungen gab es immer Juden die für Handel und Geldgeschäfte gebraucht wurden, andere Tätigkeiten waren ihnen untersagt. </p>



<span id="more-1080"></span>



<p>Ab dem 18. Jahrhundert wurden die Juden in Nauen sesshaft. Die Juden waren weiterhin vielen Beschränkungen in wirtschaftlicher, sozialer, beruflicher und rechtlicher Art ausgesetzt. Sie vielen durch ihre Art sich zu kleiden und ihrer Sprache, ein Gemisch aus Hebräisch und Deutsch in der Nauener Bevölkerung auf. Durch das erhalten gebliebene Nauener Stadtarchiv lässt sich die Entwicklung der jüdischen Gemeinde Nauens besser nachvollziehen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Die Bildung einer Jüdischen Gemeinde</strong></h3>



<p>Juden waren gezwungen in einer jüdischen Gemeinde zu leben. Die Mitglieder der Gemeinde wählten einen Vorsteher, dieser war zuständig dafür die „weltlichen“ Gemeindeangelegenheiten zu verwalten. Des Weiteren war er damit betraut die Beiträge der Gemeindemitglieder einzuziehen und die Gemeindeabgaben an die Stadt zu zahlen. Vorsteher und Lehrer vertraten die jüdische Gemeinde gegenüber staatlichen Stellen. Das Versammlungshaus der Juden ist eine Synagoge, diese diente damals gleichzeitig als Gebetsraum, jüdisches Lehrhaus und Schule für die Kinder, die dort das Lesen und Schreiben hebräischer Schriften erlernten. Konnte sich eine jüdische Gemeinde keine Synagoge leisten, so wurden Privaträume als Versammlungsstätten genutzt.</p>



<p>Die „Judensachen“ betreffend beinhalten die Polizeiakten des Magistrats für 1787 eine Aufstellung sämtlicher Juden der Stadt, also aller männlichen und weiblichen Personen. Demnach gab es 5 Schutzjuden, 6 Frauen, 17 Söhne, 11 Töchter, 4 Knechte, 4 Mägde und 2 öffentlich Bedienstete. Insgesamt seien es 49 Personen. 1795 hatte sich die Zahl der Schutzjuden auf 7 und 1800 auf 8 erhöht. Die Stadt hatte zu dieser Zeit 3076 Einwohner.</p>



<p>Im Jahre 1800 ist die Jüdische Gemeinde wirtschaftlich so gefestigt, dass sie sich eine eigene Synagoge errichten kann. Es ist das Haus Nr. 11 in der damaligen Potsdamer Straße, der heutigen Goethestraße. Ab 1812 galten Juden galten als Preußische Staatsbürger. Damit genossen sie völlige bürgerliche Gleichstellung mit den Christen,&nbsp; das Recht der freien Niederlassung und der Gewerbefreiheit sowie das Recht, die Verwaltung von Lehr-, Schul- und Gemeindeämtern zu übernehmen. Doch die volle Verwirklichung dieser Ziele ließ wegen des Widerstandes großer Teile der übrigen Bevölkerung noch Jahrzehnte auf sich warten.</p>



<p>Da die jüdischen Bürger nun im ganzen Lande ihren Aufenthalt nehmen konnten, kamen sie teils in Konflikt mit den bereits sesshaften Mitgliedern der Jüdischen Gemeinden, die neue tüchtige Zuwanderer als Konkurrenten betrachteten. So teilten am 19. Januar 1817 Nauener jüdische Handelsleute dem Magistrat mit, dass sie nicht damit einverstanden seien, dass sich ein israelitischer Handelsmann aus der Altmark hier niederließe. Doch nach einem langen Schriftverkehr mit dem Magistrat und der Regierung in Potsdam wurde am 17. Juli 1817 entschieden, dass der Niederlassung der Gebrüder Moses und Aron Schönfeld nichts entgegenstehe. </p>



<p>1819 errichtete die Jüdische Gemeinde außerhalb der Stadt, am Weinberg, eine neue Begräbnisstätte. Im Stadtforst erwarb sie dafür von der Stadt Land. Diese Anlage erhielt eine der Unebenheit des Geländes angepasste Mauer und eine Friedhofshalle.</p>



<p>Nauens Einwohnerzahl war 1890 auf 8.040 angestiegen. Die Mitgliederzahl der Jüdischen &nbsp;Gemeinde erweiterte sich bis 1892 auf insgesamt 84 Personen in 22 Familien. Es war die Zeit, in der Nauen einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. Die 1899 erbaute Zuckerfabrik ließ viele neue Arbeitsplätze entstehen, und mehrere tausend Landwirte der Umgebung waren diesem Betrieb als Rübenanbauunternehmer angeschlossen. Die erhebliche Steuerkraft des Unternehmens bedeutete für die Stadt eine sichere Einnahmequelle. Nauen wurde in dieser Zeit auch zu einem Verkehrsknotenpunkt. 1890 eröffnete man den Vorortverkehr mit Berlin. 1892/93 entstand die Bahnstrecke Nauen &#8211; Ketzin, die auch für die Verbindung der Zuckerfabrik mit ihrem zweiten Betrieb in Ketzin von Bedeutung war. 1901 schaffte man mit der Schmalspurbahn zwischen Nauen &#8211; Senzke &#8211; Rathenow eine Verbindung, die die großen landwirtschaftlichen Betriebe mit Nauen verband. 1902 wurde die Staatsbahn von Nauen nach Wildpark eröffnet, und 1904 bekam Nauen durch die „Töpper-und Kachelbahn&#8220; eine Verbindung nach Velten, dem Zentrum der Kachelindustrie. Das alles belebte den Standort Nauen. So fanden 1901 in Nauen 190 Handwerksbetriebe ihr Auskommen. Die gestiegene Kaufkraft förderte das Entstehen von Geschäftshäusern, und mit dem wachsenden Wohlstand veränderte sich auch das Stadtbild. Die stattlichen Bauten in der Mittelstraße stammen z. B. aus dieser Zeit, und so manches alte Bürgerhaus wurde umgestaltet. Auch jüdische Kaufleute und Händler trugen dazu bei, dass sich die Wirtschaft dieser Region belebte.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Die Ungleichbehandlung der Juden</strong></h3>



<p>1750 wurde durch Friedrich II (Friedrich der Große) eine Grundlage geschaffen, wodurch die Rechte und Pflichten der Juden erfasst wurde. Jeder Jude bekam nun eine Zugehörigkeit, diese waren in 6 Gruppen unterteilt.</p>



<p>Die oberste Gruppe waren die <em>Generalprivilegierten</em>.&nbsp; Dabei handelte es sich um eine sehr kleine aber reiche Gruppe, die durch Geschäftstätigkeit ihr Ansehen erlangt hatte. Diese Gruppe konnte wohnen wo sie wollte, konnte Häuser und Grundstücke erwerben. Die Kinder konnten die Eltern beerben.</p>



<p>Bei der zweiten Gruppe handelte es sich um „<em>ordentliche Schutzjuden</em>“. Sie konnten ihre Wohnung nicht selbst wählen, durften sich aber beruflich betätigen. Den Status des Geschütztseins durften sie nur auf zwei Kinder vererben. Das erste Kind musste allerdings mehr als 1.000 Taler besitzen, das zweite Kind musste 10.000 Taler vorweisen können.</p>



<p>Die Gruppe waren die „<em>außerordentlichen Schutzjuden</em>&#8222;, bei denen hatte nur eine männliche Person das Privileg sich an einem Ort aufzuhalten. Starb die betreffende Person, konnte seine Witwe mit den Kindern sofort ausgewiesen werden. Zu dieser Gruppe gehörten meist Handwerker und Ärzte.</p>



<p>Bei den oben genannten drei Gruppen war der Staat stets zur Stelle und zog regelmäßig Judensteuern und Abgaben ein.</p>



<p>Der vierten Gruppe gehörten die Beamten der jüdischen Gemeinde wie Rabbiner, Kantor, Schächter und die Lehrer an. Während ihrer Amtszeit hatten sie den Status der „außerordentliche Schutzjuden“.</p>



<p>Die fünfte Gruppe bestand aus den <em>Geduldeten</em>. Sie waren von jeglicher handwerklichen und kaufmännischen Tätigkeit ausgeschlossen und waren auch völlig schutzlos. Doch sie durften sich in eine Familie der oberen beiden Gruppen einheiraten, dazu gehören auch alle Kinder der oberen Gruppe die den Status nicht vererbt bekamen.</p>



<p>Die sechste Gruppe bestand aus <em>den privaten Angestellten</em>. Sie durften nicht heiraten und durften nur so lange bleiben, wie ihr Arbeitsverhältnis andauerte.</p>



<p>Wollte ein Jude die Stadt verlassen musste das durch den Magistrat der Stadt genehmigt werden. Am 05. Mai 1724 wurde durch den Nauener Bürgermeister solch ein Attest ausgestellt das folgenden Wortlaut beinhaltete: „Es wird hiermit attestiert, dass der Vorzeiger dieses Papieres Jacob Levin ist, ein Jude von 20 Jahren, mit mittelmäßiger Statur und mit schwarzen Haaren. Er hält sich beim hiesigen Schutzjuden Salomon Marcus als sein Dienstjunge auf. Er wird von demselben in zulässigen Verrichtungen gebraucht und verschickt. Und da die Schutzjuden Erlaubnis haben, Dienstboten zu halten, folglich selbiger im Lande zu sein berechtigt ist, ersuchen wir hierdurch jeden, sich dienstfreundlich dem beschriebenen Juden gegenüber zu verhalten und ihn ungehindert passieren zu lassen. Sollte er dieses Attest missbrauchen, ist mit einer harten Bestrafung zu rechnen. Beim Verlassen seines Dienstes muss es uns zurückgegeben werden.&#8220; <em>(Quelle: Die ehemalige Jüdische Gemeinde von Ursula Arzbächer)</em> </p>



<p>Diese ganzen Vorschriften führten mehr und mehr dazu, dass sich die Juden von den übrigen Bürgern abgegrenzt und sich als geduldete Außenseiter fühlten. Dadurch schlossen sich enger an die religiöse Gemeinschaft.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Ende der jüdischen Gemeinde in Nauen</strong></h2>



<p>Anfang des 20. Jahrhunderts nach dem Ende des ersten Weltkriegs war Deutschland am Boden. Eine hohe Inflation und die Weltwirtschaftskrise mit einer nie dagewesenen Arbeitslosigkeit brachten zahlreiche Menschen in äußerste Not. Die von Hitler 1925 gegründete NSDAP wusste diese Situation zu nutzen, gewann sie doch mit ihrer rassistisch geprägten Ideologie immer mehr an Boden.</p>



<p>Nauen, mit einer bis dahin stark von der SPD und KPD geprägten aktiven Wählerschaft, verlor immer mehr Stimmen an die Nationalsozialisten. Bei den Reichstagswahlen am 06. November 1932 erhielten die Nationalsozialisten in Nauen 2.151 Stimmen, die KPD 1.961, die SPD 1.173 und die DNVP 793. Weit abgeschlagen fanden sich das Zentrum, die Volkspartei, die Wirtschaftspartei und die Staatspartei.<sup> (Quelle: Die ehemalige Jüdische Gemeinde von Ursula Arzbächer)</sup> Anfang des 20. Jahrhunderts waren einige Kaufleute, Gewerbetreibende, Ärzte und andere Bürger jüdischen Glaubens in Nauen ansässig. Anhand dieser Übersicht erfährt man eine Vielseitigkeit Tätigkeiten.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/kaufhaus-emil-hirsch-um-1910-privatarchiv-uwe-ulrich-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/kaufhaus-emil-hirsch-um-1910-privatarchiv-uwe-ulrich-1.jpg" alt="Kaufhaus Emil Hirsch um 1910 / Privatarchiv Uwe Ulrich" class="wp-image-1082" width="400" height="254" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/kaufhaus-emil-hirsch-um-1910-privatarchiv-uwe-ulrich-1.jpg 800w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/kaufhaus-emil-hirsch-um-1910-privatarchiv-uwe-ulrich-1-300x191.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/kaufhaus-emil-hirsch-um-1910-privatarchiv-uwe-ulrich-1-768x488.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/kaufhaus-emil-hirsch-um-1910-privatarchiv-uwe-ulrich-1-425x270.jpg 425w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Kaufhaus Emil Hirsch um 1910 / Privatarchiv Uwe Ulrich</em></figcaption></figure></div>


<ul class="wp-block-list">
<li><em>Warenhaus Hirsch</em> war Anfang des 20. Jahrhunderts noch Mieter im Voss&#8217;schen Haus &nbsp;in der Mittelstraße 33/34, bezog etwa 1909 das eigene Haus in der Mittelstraße 37, Frau Hulda Marcus war seit den 20er Jahren die Geschäftsinhaberin</li>



<li>In der Mittelstraße 33/34 wohnte der <em>Viehhändler Julius Frank</em>.</li>



<li><em>Buch- und Papierhandlung Paul Jankowsky</em> in der Mittelstraße 1</li>



<li>Mittelstraße 49, <em>Möbelgeschäft Adolf Loewenthal</em></li>



<li>Eckgebäude Berliner Straße 7, das <em>Kaufhaus Geschwister Ploschitzki</em>, zu dieser Zeit von Herrn Herman Laser geführt</li>



<li>im gleichen Hause, Witwe <em>Frieda Eck, geb. Gottschalk mit einer Damenschneiderei</em></li>



<li>gegenüber, Berliner Straße 14, <em>Leopold Zimmermann der Inhaber des Geschäftes für Kurz- und Weißwaren</em> (B. Richter Nachfolger)</li>



<li>Berliner Straße 35, die spätere „Bürgermeister Villa“, bewohnte der <em>Kaufmann Alfred Frank</em> (Rittergutsbesitzer und Kommissionsrat)</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><em>Viehhändler Adolf Gottschalk</em> wohnte in der Gartenstraße 39, später in der Goethestraße 46</li>



<li>Gartenstraße 1, <em>Fuhrunternehmen Max Bernstein</em> (Pferdekutschen und Fuhrwerke)</li>



<li><em>Fotoatelier Isidor Laski</em>, Dammstraße 17</li>



<li><em>Kaufmann Emil Homburger</em>, Marktstraße 19 mit einem Konfektionsgeschäft</li>



<li><em>Altstoffhandel Georg Lewinsohn</em>, Brandenburger Straße 37</li>
</ul>



<p><em>Herrmann Schiff Musikalienhandlung</em>, Potsdamer-Str. 55 (heutige Goethestraße)<br><em>(Quelle: Die ehemalige Jüdische Gemeinde von Ursula Arzbächer)</em></p>



<p>Wie geachtet diese Geschäftsleute waren, wird in einer Veröffentlichung von 1932 deutlich. Die jüdischen Kaufleute Paul Jankowsky, Leopold Zimmermann und Hermann Laser wurden als Mitglieder des Verbandes für Handel und Gewerbe erwähnt, deren Firmen in Nauen länger als 25 Jahre bestanden.</p>



<p>Zu dieser Zeit praktizierten auch 4 jüdische Ärzte in Nauen.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><em>Dr. Benjamin Hodesmann</em>, Praxis in seinem Haus in der Dainmstraße 39 a</li>



<li><em>Zahnarzt Lebram</em> praktizierte in der Dammstraße 15</li>



<li><em>Augenarzt Dr. Ernst Schmerl</em> wohnte zu dieser Zeit in der Friedrichstr. 1 (heute Paul-Jerchel-Straße), später in der Brandenburger Straße 13</li>



<li><em>Kinderärztin Dr. Olga Philip</em> hatte ihre Praxis in der Hamburger Straße 4<br><em>(Quelle: Die ehemalige Jüdische Gemeinde von Ursula Arzbächer)</em></li>
</ul>



<p>Dr. B. Hodesmann war in dieser Zeit der Vorsitzende der Ärztlichen Abrechnungsstelle für Privatpraxis, Havelland e. V. Nauen. Zu dem Personenkreis mit jüdischer Tradition gehörte auch der ehemalige Kaufmann Albert Jacoby, der als Rentner in seinem Haus in der Mittelstraße 47 wohnte. Da die meisten der jüdischen Bürger durch ihre berufliche Tätigkeit in der Gesellschaft sehr präsent waren, konnte der Eindruck entstehen, dass sie einen hohen Bevölkerungsanteil erreicht hätten. Das war jedoch nicht der Fall. 1932 waren 13 jüdischen Familien mit insgesamt etwa 33 Personen. Selbst wenn nicht alle erfasst gewesen sein sollten, blieb ihr Anteil gering, da Nauens Einwohnerzahl 1929 immerhin auf 10.488 angewachsen war.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Das Schicksalsjahr der Juden</strong></h3>



<p>Als Reichspräsident Hindenburg am 30.Januar 1933 Hitler zum Reichskanzler beruft nimmt das &nbsp;Schicksal für die seinen Lauf. Zu dieser Zeit gab es in Deutschland über 6 Millionen Arbeitslose und vielen von denen erhofften sich durch den neuen Reichskanzler eine Verbesserung der Lage. Nur so ist es verständlich, dass Hitler so viele Gefolgsleute fand die ihn bei den Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung unterstützte.</p>



<p>Als am 01.04.1933 die Zeitungen im ganzen Reich zum Boykott aller nichtarischen Geschäfte aufriefen, konnte die Havelländische Rundschau in der gleichen Ausgabe bereits mit einer Vollzugsmeldung aufwarten:</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/NS-Boykott-gegen-ein-juedisches-Geschaeft-in-Berlin-01041933-Bundesarchiv-Bild-102-14468.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/NS-Boykott-gegen-ein-juedisches-Geschaeft-in-Berlin-01041933-Bundesarchiv-Bild-102-14468.jpg" alt="NS-Boykott gegen ein jüdisches Geschäft in Berlin 01.04.1933(Bundesarchiv Bild 102-14468)" class="wp-image-1084" width="400" height="265" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/NS-Boykott-gegen-ein-juedisches-Geschaeft-in-Berlin-01041933-Bundesarchiv-Bild-102-14468.jpg 800w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/NS-Boykott-gegen-ein-juedisches-Geschaeft-in-Berlin-01041933-Bundesarchiv-Bild-102-14468-300x198.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/NS-Boykott-gegen-ein-juedisches-Geschaeft-in-Berlin-01041933-Bundesarchiv-Bild-102-14468-768x508.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/NS-Boykott-gegen-ein-juedisches-Geschaeft-in-Berlin-01041933-Bundesarchiv-Bild-102-14468-408x270.jpg 408w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>NS-Boykott gegen ein jüdisches Geschäft in Berlin 01.04.1933(Bundesarchiv Bild 102-14468)</em></figcaption></figure></div>


<p><em>&#8222;Der Boykott in Nauen“ &#8211; Umzug durch die Stadt<br>Gestern Abend kündete ein Umzug durch die Straßen der Stadt Nauen den Beginn des heute auch hier einsetzenden Boykotts der jüdischen Geschäfte und Ärzte an. Unter Vorantritt der SS- und der SA-Reservekapelle marschierten die Nauener SA, die Motorstaffel, die SA-Reserve und Mitglieder der NSBO unter Mittführung von Transparenten, die zum Boykott der jüdischen Geschäfte aufforderten, vor einige der zu boykottierenden Geschäfte. Die Kapelle spielte dort das Lied: „Muss i denn, muss i denn zum Städele hinaus&#8230;“. Auf dem Rathausplatz endete der Demonstrationsmarsch. Die Teilnehmer marschierten im Kreise auf, und der Ortsgruppenleiter der NSDAP, Runge, forderte in einer zündenden Ansprache zum Boykott der durch SA-Posten oder Schilder gekennzeichneten Geschäfte und Ärzte auf Vom Boykott-Ausschuß der Ortsgruppe Nauen geht uns folgender Aufruf zu: „Wir fordern hierdurch alle Einwohner von Nauen u. Umgebung dringend auf, sämtliche jüdischen Geschäfte sowie *Ärzte zu boykottieren, die wir durch SA-Posten und Plakatträger gekennzeichnet haben.&#8220;</em></p>



<p>Am 03.04.1933 informierte die gleiche Zeitung über die:</p>



<p><em>„Durchführung der Boykottaktion in Nauen Ordnungsgemäß setzte Samstagmorgen punkt 10 Uhr der Boykott der jüdischen Geschäfte in Nauen ein. Posten der SA und der SA-Reserve besetzten die Geschäftseingänge und hingen Schilder vor die Türen, die zum Boykott aufforderten! Die Vorgänge wurden vom Publikum ruhig oder beifällig, je nach Einstellung beobachtet. Die meisten der vom Boykott betroffenen Geschäfte hatten freiwillig geschlossen. Auch vor den Häusern der jüdischen Ärzte standen Posten, die durch Schilder aufforderten, sich bei deutschen Ärzten behandeln zu lassen. Irgendwelche Zwischenfälle ereigneten sich nicht.&#8220;</em></p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Die „Reichskristallnacht“ und ihre Folgen</strong></h3>



<p>Durch die rasant zunehmende Ausgrenzung und der damit verbundenen Perspektivlosigkeit und Gefahr verließen auch jüdische Familien Nauens ihre oft jahrzehntelange Wirkungsstätte. Meistens war es erst einmal ein Eintauchen in die Anonymität einer Großstadt wie Berlin. Wer über die Mittel verfügte, dem gelang auch noch die Ausreise, andere versuchten eine illegale Flucht. Beides bedeutete am Ende den Verlust all dessen, was sie sich erarbeitet hatten. So gab es 1938 nur noch neun jüdische Haushalte in Nauen.</p>



<p>Als am 07. November 1938 der deutsche Legationssekretär Ernst vom Rath in Paris von dem polnischen Juden Herschel Grynszpan ermordet wurde, organisierte der Propagandaminister Goebbels sofort ein Massenpogrom, schlimme antijüdische Ausschreitungen in ganz Deutschland.</p>



<p>Über die Vorkommnisse während der sogenannten „Reichskristallnacht&#8220;, stand in der Havelländischen Rundschau vom 11.11.1938 folgende Veröffentlichung:</p>



<p><em>Antijüdische Kundgebungen im Osthavelland</em></p>



<p><em>„Die berechtigte Entrüstung über die jüdische Untat an dem jungen deutschen Diplomaten vom Rath in Paris hat gestern auch im Kreise Osthavelland zu starken antijüdischen Kundgebungen geführt. In Nauen wurden in den Mittagsstunden die Schaufenster der beiden noch vorhandenen jüdischen Geschäfte eingeschlagen und die Ladeneinrichtungen demoliert. Selbstverständlich sind die Waren unangetastet geblieben. Weiter sind die Synagoge in der Potsdamer Straße und die Räume der anderen in Nauen wohnhaften Juden durch die allgemeine Empörung in Mitleidenschaft gezogen worden&#8230;&#8220;</em></p>



<p>Genaueres erfährt man da schon in einem Bericht des Polizeimeisters in Nauen vom 11. November:</p>



<p><em>&#8222;Die Empörung der hiesigen Bevölkerung über den jüdischen Mord an einem deutschen Diplomaten in Paris hat sich am gestrigen Tage auch in Nauen Luft gemacht“</em></p>



<p>Dann folgte in einem Vermerk des Polizeimeisters eine Liste mit zehn Anschriften von Geschäften und privaten Wohnräumen, die demoliert wurden:</p>



<p>1. Synagoge Potsdamer Straße<br>2. Zahnpraxis Lebram, Adolf-Hitler-Straße<br>3. Geschäft der Geschwister Laski, Adolf-Hitler-Straße<br>4. Augenarzt Schmerl, kleine Dachwohnung<br>5. Geschäft Homburger, Marktstraße 10<br>6. Haus Homburger, Am Ritterfeld 22<br>7. Schiff Geschäfts- und Wohnraum, Potsdamer Straße<br>8. Gottschalk, Wohnraum, Potsdamer Straße<br>9. Frl. Dr. Philipp, Wohnraum, Hamburger Straße<br>10. Frau Eck, Wohnraum, Berliner Straße 7&#8243;</p>



<p>Zwei Straßennamen entsprechen nicht der heutigen Bezeichnung. Die Adolf-Hitler-Straße wurde in Dammstraße umbenannt. Die Potsdamer Straße ist die heutige Goethestraße.<br><em>(Quelle: Die ehemalige Jüdische Gemeinde von Ursula Arzbächer)</em></p>



<p>In einer anderen Erklärung des Polizeimeisters erfährt man, dass zehn Juden männlichen und weiblichen Geschlechts am gleichen Tag verhaftet und bis auf eine Person nach einigen Stunden wieder freigelassen wurden. Die nicht gleich wieder auf freien Fuß gesetzte Person war der Leiter der jüdischen Gemeinde in Nauen, der Kaufmann Emil Homburger, der laut eingereichter Vermögenserklärung als „vermögender Jude&#8220; galt.</p>



<p>In Nauen fanden sich damals genügend Mitglieder der SA, der SS und der ihnen angeschlossenen Organisationen, die dem Aufruf des Propagandaministers folgten und in übler Weise das Eigentum der jüdischen Mitbürger zerstörten, sie persönlich angriffen und dem Gespött grölender Mitläufer preisgaben. Kaum jemand wagte es, diese Untaten beim Namen zu nennen. Die Angst, sich selbst in Gefahr zu bringen, ließ die meisten Menschen zu stummen Zeugen werden. Anfang Dezember berichtete sogar der Bürgermeister dem Landrat: &#8222;Die Art des Vorgehens gegen die Juden fand bei dem größten Teil der Bevölkerung kein Verständnis. Verurteilt wurde das Beschädigen und Vernichten von Wertgegenständen. Besonders verärgert waren die Volksgenossen über die Zerstörung der Wohnungseinrichtung bei einer ärmlichen Familie, in welcher der Ehemann Jude und die Ehefrau deutschblütig ist&#8220;</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/Nauen-um-1938-Strasse-der-SA-Mittelstrasse-Privatarchiv-Uwe-Ulrich.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/Nauen-um-1938-Strasse-der-SA-Mittelstrasse-Privatarchiv-Uwe-Ulrich.jpg" alt="Nauen um 1938, Straße der SA (Mittelstraße) Privatarchiv Uwe Ulrich" class="wp-image-1087" width="400" height="250" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/Nauen-um-1938-Strasse-der-SA-Mittelstrasse-Privatarchiv-Uwe-Ulrich.jpg 800w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/Nauen-um-1938-Strasse-der-SA-Mittelstrasse-Privatarchiv-Uwe-Ulrich-300x187.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/Nauen-um-1938-Strasse-der-SA-Mittelstrasse-Privatarchiv-Uwe-Ulrich-768x479.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/Nauen-um-1938-Strasse-der-SA-Mittelstrasse-Privatarchiv-Uwe-Ulrich-433x270.jpg 433w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Nauen um 1938, Straße der SA (Mittelstraße) Privatarchiv Uwe Ulrich</em></figcaption></figure></div>


<p>Mit der am 03.12.1938 erlassenen Verordnung über den Zwangsverkauf (entschädigungslos &nbsp;Zwangs &#8211; „Arisierung&#8220;) jüdischer Geschäfte, Betriebe, Land-, Forst- und Grundeigentums wurde auch den letzten Geschäftsleuten die Existenzgrundlage entzogen. Jegliche Präsenz jüdischen Geschäftslebens wurde aus dem Bild der Städte verbannt. Die Verordnung über den Zwangsverkauf verschaffte der Stadt auch die Möglichkeit, die beiden Grundstücke der jüdischen Gemeinde zu erwerben. </p>



<p>Am 1. März 1939 musste Herr Homburger, als letztes noch hier wohnendes Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde, den Kaufvertrag über das Grundstück mit der Synagoge abschließen. Dass die Synagoge in der „Reichskristallnacht&#8220; nicht angezündet wurde, ist wohl dem Umstand zu verdanken, dass sie direkt neben dem Gebäude des Sattlermeisters Max Wendt stand, einem stadtbekannten SS-Führer. Das Gelände des jüdischen Friedhofes musste 01. März 1939 für 100,00 RM an die Stadt abgetreten werden.</p>



<p>>>> Hier zu <a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil2-wer-waren-die-homburgers/">Schicksal der Familie Homburger – Teil 2 – Wer waren die Homburgers</a></p>



<p>&gt;&gt;&gt;<a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil-3-das-unheil-nimmt-seinen-lauf/"> </a>Hier zu <a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil-3-das-unheil-nimmt-seinen-lauf/">Schicksal der Familie Homburger – Teil3 – Das Unheil nimmt seinen Lauf</a></p>



<p>&gt;&gt;&gt; Hier zu <a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil-4-die-flucht-nach-bolivien/">Schicksal der Familie Homburger &#8211; Teil4 &#8211; Flucht nach Bolivien</a></p>



<p><strong>Quellennachweis:</strong></p>



<p><em>Aus der Geschichte der Stadt Nauen &#8211; Die ehemalige Jüdische Gemeinde von Ursula Arzbächer</em></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Führer durch die Kreis- und Funk-Stadt Nauen / Baldus Ferdinand</li>



<li>Geschichte von Nauen und Osthavelland / Ernst Georg Bardey</li>



<li>Boykott-Entrschnung-Pogrom-Deportation Die „Arisierung“ jüdischen Eigentums während der NS-Zeit-Studien und Dokumente / Irene Diekmann</li>



<li>Juden in Spandau vom Mittelalter bis 1945 / Alois Kaulen und Joachim Paul</li>



<li>Herr Moses in Berlin / Heinz Knobloch</li>



<li>Brandenburg-Preußen 1648 &#8211; 1789 / Max Oppenheimer, Horst Stuckmann und Rudi Schneider</li>



<li>Wanderungen und Fahrten in der Mark Brandenburg 6 / Hans Scholz</li>



<li>Kurze Geschichte der Stadt Nauen / C.F.F. Tiebel</li>



<li>Osthavelländisches Kreisblatt</li>



<li>Havelländischen Rundschau</li>



<li>Märkische Allgemeinen Zeitung</li>



<li>Stadtarchiv und Museum der Stadt Nauen</li>
</ul>



<p><strong>Link:</strong> <a href="http://www.stolpersteine-falkensee.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Stolpersteingruppe Falkensee</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil-1-juedisches-leben-in-nauen/">Schicksal der Familie Homburger &#8211; Teil 1 &#8211; Jüdisches Leben in Nauen</a> erschien zuerst auf <a href="https://nauen.eu">Funkstadt Nauen</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schicksal der Familie Homburger – Teil 2 – Wer waren die Homburgers</title>
		<link>https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil2-wer-waren-die-homburgers/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Dec 2022 04:58:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ereignisse]]></category>
		<category><![CDATA[Nauen Ausführlich]]></category>
		<category><![CDATA[Persönlichkeiten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Einwohnerzahl Nauens war 1890 auf 8.040 angestiegen. Auch die Mitgliederzahl der Jüdischen Gemeinde erweiterte sich bis 1892 auf insgesamt 84 Personen in 22 Familien. So verschlug es im Jahre 1897 auch Simon und Ida Homburger mit ihrem 3jährigen Sohn Emil nach Nauen. Ursprünglich waren die Homburgers im oberhessischen Gedern, einer Kleinstadt zwischen Fulda und [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil2-wer-waren-die-homburgers/">Schicksal der Familie Homburger – Teil 2 – Wer waren die Homburgers</a> erschien zuerst auf <a href="https://nauen.eu">Funkstadt Nauen</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Die Einwohnerzahl Nauens war 1890 auf 8.040 angestiegen. Auch die Mitgliederzahl der Jüdischen Gemeinde erweiterte sich bis 1892 auf insgesamt 84 Personen in 22 Familien. So verschlug es im Jahre 1897 auch Simon und Ida Homburger mit ihrem 3jährigen Sohn Emil nach Nauen.</p>



<span id="more-1100"></span>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/stadt-nauen-um-1900.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/stadt-nauen-um-1900.jpg" alt="Postkarte von Nauen um 1900" class="wp-image-1109" width="400" height="262" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/stadt-nauen-um-1900.jpg 800w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/stadt-nauen-um-1900-300x197.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/stadt-nauen-um-1900-768x503.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/stadt-nauen-um-1900-412x270.jpg 412w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Nauen um 1900</em></figcaption></figure></div>


<p>Ursprünglich waren die Homburgers im oberhessischen Gedern, einer Kleinstadt zwischen Fulda und Frankfurt am Main ansässig. Dort betrieben sie schon seit Jahrzehnten den damals ortsüblichen Viehhandel.</p>



<p>Im August 1900 wurde der zweite Sohn Lothar geboren, der aber bereits ein Jahr und drei Monate später starb. Interessant ist, dass die Sterbeurkunde von Herrn Julius Frank unterzeichnet wurde. Die Familie Frank war zur damaligen Zeit in Nauen bereits ein Begriff. Einerseits im Viehhandel, den besagter Julius Frank betrieb aber noch berühmter war der Kaufmann Alfred Frank, der es in der Stadt zu hohem Ansehen gebracht hatte und in der „Frankschen Villa“ in der Berliner Straße 35 (später die sogenannte Bürgermeistervilla) wohnte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/frrankschen-villa-berlinerstrasse-stadt-nauen-buergermeistervilla.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/frrankschen-villa-berlinerstrasse-stadt-nauen-buergermeistervilla.jpg" alt="&quot;Frankschen Villa&quot; in der Berliner Straße 35 (später die sogenannte Bürgermeistervilla)" class="wp-image-1104" width="450" height="286" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/frrankschen-villa-berlinerstrasse-stadt-nauen-buergermeistervilla.jpg 900w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/frrankschen-villa-berlinerstrasse-stadt-nauen-buergermeistervilla-300x191.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/frrankschen-villa-berlinerstrasse-stadt-nauen-buergermeistervilla-768x488.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/frrankschen-villa-berlinerstrasse-stadt-nauen-buergermeistervilla-425x270.jpg 425w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>„Frankschen Villa“ in der Berliner Straße 35 (später die sogenannte Bürgermeistervilla)</em></figcaption></figure></div>


<p>Da der Name Frank auch in den Büchern der jüdischen Gemeinde von Gedern auftaucht, liegt die Vermutung nahe, dass beide Familien sich bereits von dort kannten. </p>



<p>Ausserdem war die Ehefrau von Alfred Frank, Hanna eine geborene Homburger. 1922 starb Alfred Frank, 10 Jahre später seine Frau. Beide wurden auf dem jüdischen Friedhof in Nauen beigesetzt, der sich seit 1819 weit draußen vor der Stadt, Am Weinberg befand.</p>



<p>Übrigens! Der erste jüdische Friedhof in Nauen befand sich in der Jüdenkirchhof-Straße, der heutigen Waldemarstraße!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zurück zu den Homburgers!</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/zeitungsanzeige-von-ida-homburger-1903.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/zeitungsanzeige-von-ida-homburger-1903.jpg" alt="Zeitungsanzeige von Ida Homburger aus 1903" class="wp-image-1112" width="200" height="84" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/zeitungsanzeige-von-ida-homburger-1903.jpg 400w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/zeitungsanzeige-von-ida-homburger-1903-300x125.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Anzeige von Ida Homburger, 1903</em></figcaption></figure></div>


<p>Kinderreichtum war ja vor 100 Jahren ein Segen, egal welcher Konfession man angehörte. Mehr Kinder bedeuten natürlich auch mehr Arbeit. Deshalb ließ Ida Homburger am 19. Februar 1903 die nebenstehende Anzeige in die Osthavelländische Rundschau setzen.</p>



<p>Am 14. Mai 1903 war es dann soweit – der 9jährige Emil konnte sich freuen über &#8211; Zwillingsschwestern. Ilse und Herta hießen die beiden Mädchen.</p>



<p>Leider verstarb bereits 9 Monate später die kleine Ilse. Die Sterbeurkunde unterzeichnete diesmal ihr Onkel David Homburger, ein jüngerer Bruder des Vaters.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/todesanzeige-simon-homburger-1912.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/todesanzeige-simon-homburger-1912.jpg" alt="Todesanzeigen Simon Homburger von 1912" class="wp-image-1110" width="304" height="400" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/todesanzeige-simon-homburger-1912.jpg 607w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/todesanzeige-simon-homburger-1912-228x300.jpg 228w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/todesanzeige-simon-homburger-1912-205x270.jpg 205w" sizes="auto, (max-width: 304px) 100vw, 304px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Todesanzeige Simon Homburger, 1912</em></figcaption></figure></div>


<p>Laut Adressbuch aus dem Jahre 1908 wohnte Simon Homburger und Familie in der Martkstraße 24 und David Homburger in der Chausseestraße 88. Beide Brüder wurden unter der Berufsbezeichnung Kaufmann geführt und waren Mitinhaber der Firma Frank &amp; Homburger.</p>



<p>Im Jahre 1912 verstarb der Vater Simon Homburger im Alter von nur 47 Jahren und hinterließ seine Frau Ida sowie die Kinder Emil (17) und Herta (9).</p>



<p>Nachdem Emil seine Schulzeit am Realgymnasium am Lindenplatz (heute Grundschule am Lindenplatz)<br>beendet hatte, begann er eine kaufmännische Lehre in einer Bank im thüringischen Hildburghausen. Bis Ende 1914 arbeitete er als Bankangestellter in verschiedenen Städten Deutschlands.</p>



<p>Als Soldat im 1. Weltkrieg erhielt er diverse Auszeichnungen, wie z.B. das E.K. II, das Hessische Ehrenzeichen am Kriegsbande und das Frontkämpferkreuz. Auf diese Auszeichnungen war er sehr stolz, waren sie doch die Belohnung für seinen Einsatz für das Deutsche Vaterland.</p>



<p>Nach der Entlassung aus dem Kriegsdienst heiratete er am 18. November 1919 in Prenzlau Frieda Horwitz. Das junge Glück war von kurzer Dauer, denn nur 3 Monate nach der Hochzeit verstarb Frieda Homburger im Alter von 26 Jahren.</p>



<p>Nach einem Jahr der Trauer lernte der junge Witwer Bianka Bernstein kennen. Sie stammte ursprünglich aus Schroda, einer Kleinstadt in der damaligen Provinz Posen, wohnte aber jetzt mit ihrer Familie in Berlin am Kurfürstendamm. Am 05. Juli 1921 wurde die Ehe in Berlin geschlossen und ein Jahr später, am 18. Juli 1922 wurde Sohn Hans geboren.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/marktstrasse-nauen-um-1930-das-geschaeft-von-emil-homburger.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/marktstrasse-nauen-um-1930-das-geschaeft-von-emil-homburger.jpg" alt="Marktstraße Nauen um 1930 (das Geschäft von E. Homburger befindet sich links neben der Gärtnerei Michaelis)" class="wp-image-1107" width="400" height="240" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/marktstrasse-nauen-um-1930-das-geschaeft-von-emil-homburger.jpg 800w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/marktstrasse-nauen-um-1930-das-geschaeft-von-emil-homburger-300x180.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/marktstrasse-nauen-um-1930-das-geschaeft-von-emil-homburger-768x460.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/marktstrasse-nauen-um-1930-das-geschaeft-von-emil-homburger-451x270.jpg 451w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Marktstraße Nauen um 1930 (das Geschäft von E. Homburger<br>befindet sich links neben der Gärtnerei Michaelis)</em></figcaption></figure></div>


<p>Im gleichen Jahr zog die Familie nach Nauen, wo Emil Homburger in der Marktstraße 19 ein Bekleidungsgeschäft eröffnete. Sein Onkel David Homburger betrieb mittlerweile in Nauen ein eigenes Bankgeschäft in der Potsdamer Straße 55, der heutigen Goethestraße.</p>



<p>Emils Schwester Herta heiratete in Nauen im Jahre 1923 den Bankbeamten Herbert Goldmann. Ihr Bruder Emil unterschrieb als Trauzeuge die Heiratsurkunde. In zweiter Ehe war sie mit Josef Bauer verheiratet, mit dem sie später in Berlin lebte.</p>



<p>Auch wenn die 1920er Jahre gekennzeichnet waren von Inflation, Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise, versuchte jeder sich irgendwie durchzuschlagen. Der eine hatte mehr und der andere weniger Glück. Trotzdem lebten alle Einwohner der Stadt friedlich nebeneinander, egal welcher Religionsgemeinschaft sie angehörten.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/zeitungsanzeige-bankhaus-david-homburger-1922.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/zeitungsanzeige-bankhaus-david-homburger-1922.jpg" alt="Zeitungsanzeige vom Bankhaus David Homburger aus 1922" class="wp-image-1111" width="200" height="193" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/zeitungsanzeige-bankhaus-david-homburger-1922.jpg 400w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/zeitungsanzeige-bankhaus-david-homburger-1922-300x289.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/zeitungsanzeige-bankhaus-david-homburger-1922-281x270.jpg 281w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Anzeige Bankhaus David Homburger, 1922</em></figcaption></figure></div>


<p>1932 lebten in Nauen 13 jüdische Familien. Diese versuchten, wie viele Juden im Deutschen Reich, sich durch Übernahme von Verhaltensnormen und Lebensweisen ihrer nicht-jüdischen Umwelt anzupassen.<br>Dabei traten die religiösen Belange in den Hintergrund. Die politische und staatsbürgerliche Identifikation stand im Vordergrund, was insbesondere die jüdischen Frontkämpfer des 1. Weltkrieges zelebrierten.</p>



<p>Die Einwohner Nauens interessierten sich nicht für die Religion der Geschäftsinhaber. Sie wollten gut und preiswert einkaufen und gingen gern in die zahlreichen großen und kleinen Geschäfte der Altstadt, auch wenn diese jüdische Besitzer hatten, wie das Kaufhaus Emil Hirsch in der Mittelstraße 37 oder das Kaufhaus der Geschwister Ploschitzki in der Berliner Straße Ecke Mittelstraße.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow"><div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/kaufhaus-geschwister-ploschitzki-um-1905.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="518" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/kaufhaus-geschwister-ploschitzki-um-1905.jpg" alt="Kaufhaus Geschwister Ploschitzki um 1905" class="wp-image-1105" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/kaufhaus-geschwister-ploschitzki-um-1905.jpg 800w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/kaufhaus-geschwister-ploschitzki-um-1905-300x194.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/kaufhaus-geschwister-ploschitzki-um-1905-768x497.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/kaufhaus-geschwister-ploschitzki-um-1905-417x270.jpg 417w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Kaufhaus Geschwister Ploschitzki um 1905</em></figcaption></figure></div></div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow"><div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/kaufhaus-emil-hirsch-um-1910-privatarchiv-uwe-ulrich-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="508" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/kaufhaus-emil-hirsch-um-1910-privatarchiv-uwe-ulrich-1.jpg" alt="Kaufhaus Emil Hirsch um 1910" class="wp-image-1082" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/kaufhaus-emil-hirsch-um-1910-privatarchiv-uwe-ulrich-1.jpg 800w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/kaufhaus-emil-hirsch-um-1910-privatarchiv-uwe-ulrich-1-300x191.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/kaufhaus-emil-hirsch-um-1910-privatarchiv-uwe-ulrich-1-768x488.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/11/kaufhaus-emil-hirsch-um-1910-privatarchiv-uwe-ulrich-1-425x270.jpg 425w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Kaufhaus Emil Hirsch um 1910</em></figcaption></figure></div></div>
</div>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/fotoatelier-isidor-laski-nauen-um-1910.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/fotoatelier-isidor-laski-nauen-um-1910.jpg" alt="Fotoatelier Isidor Laski um 1910" class="wp-image-1103" width="300" height="182" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/fotoatelier-isidor-laski-nauen-um-1910.jpg 600w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/fotoatelier-isidor-laski-nauen-um-1910-300x182.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/fotoatelier-isidor-laski-nauen-um-1910-445x270.jpg 445w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Fotoatelier Isidor Laski um 1910</em></figcaption></figure></div>


<p>Aber auch kleine Geschäfte, wie das alt eingesessene Fotoatelier der Schwestern Laski in der Dammstraße 17 oder das Geschäft von Emil Homburger in der Marktstraße 19 waren bei den Nauenern beliebt.</p>



<p>Auch an den Schulen der Stadt wurden alle Schüler und Schülerinnen gleichwertig behandelt, egal welcher Religion sie angehörten. Über das Reformrealgymnasium, das heutige Goethe-Gymnasium, war damals zu lesen:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Die Zahl der Schüler betrug zu Ostern 1930 insgesamt 256, davon waren 243 evangelisch, 12 katholisch und 1 Schüler jüdischer Konfession</p>
</blockquote>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/knabenschule-nauen-um-1930-mit-hans-homburger.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/knabenschule-nauen-um-1930-mit-hans-homburger.jpg" alt="Knabenschule Nauen um 1930 mit Lehrer Richard Lange (Hans Homburger im Matrosenhemd steht 1. Reihe mittig), Foto Privatbesitz Günther Mönke" class="wp-image-1106" width="400" height="281" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/knabenschule-nauen-um-1930-mit-hans-homburger.jpg 800w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/knabenschule-nauen-um-1930-mit-hans-homburger-300x210.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/knabenschule-nauen-um-1930-mit-hans-homburger-768x539.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/knabenschule-nauen-um-1930-mit-hans-homburger-385x270.jpg 385w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Knabenschule Nauen um 1930 mit Lehrer R. Lange (Hans Homburger im Matrosenhemd steht 1. Reihe mittig), Foto Privatbesitz G. Mönke</em></figcaption></figure></div>


<p>Seit 1929 besuchte Emils Sohn Hans die siebenstufige Knaben-Volksschule in der Berliner Straße 29 (heute befindet sich dort die Regenbogenschule). Sein Lehrer hieß Richard Lange, dem der Ruf vorausging, dass er seine Schüler besonders forderte und förderte. Er war streng, aber gerecht. Obwohl er noch zur Generation „Pauker“ oder besser noch „Arschpauker“ gehörte, war er bei den Schülern sehr beliebt.</p>



<p>Diese Beliebtheit, sein Fachwissen und seine unbelastete Vergangenheit ermöglichten ihm, auch nach 1945 weiter in Nauen zu unterrichten.</p>



<p>Im Jahre 1933 wechselte der 10-jährige Hans Homburger von der Knabenschule auf das Reformrealgymnasium.</p>



<p>>>><a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil-3-das-unheil-nimmt-seinen-lauf/"> </a>Hier zu <a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil-3-das-unheil-nimmt-seinen-lauf/">Schicksal der Familie Homburger – Teil3 – Das Unheil nimmt seinen Lauf</a></p>



<p>>>> Hier zu <a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil1-juedisches-leben-in-nauen/">Schicksal der Familie Homburger – Teil1 – Jüdisches Leben in Nauen</a></p>



<p><strong><em>Autor: Uwe Ulrich</em></strong></p>



<p><strong>Quellennachweis:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Aus der Geschichte der Stadt Nauen, die ehemalige Jüdische Gemeinde von Ursula Arzbächer</li>



<li>Wie in einer Rumpelkammer, Erinnerungen 1923 – 2005 von Günther Mönke</li>



<li>Transnationale Spurensuche in den Anden, von geflüchteten Juden, „Altdeutschen“ und Nazis in</li>



<li>Bolivien von Juliana Ströbele-Gregor</li>



<li>Hotel Bolivia von Leo Spitzer</li>



<li>Und seh’n wir die Heimat nicht wieder – vom märkischen Nauen zum nördlichen Eismeer 1941 -1945</li>



<li>von Kurt Raschke</li>



<li>Das Landwerk Neuendorf: Berufsumschichtung – Hachschara -Zwangsarbeit von Harald Lordick</li>



<li>Nauener Heimatblätter, herausgegeben von den Nauener Heimatfreunden 1990 e.V.</li>



<li>In Nauen durch die Jahrhunderte von Martina al Diban</li>
</ul>



<p><strong>Für die freundliche Unterstützung bei der Recherche und für die Übergabe von Dokumenten,<br>Fotos und Informationen möchten wir uns bedanken bei:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam, Rep. 8 Stadt Nauen Nr. 101 und Rep. 36A</li>



<li>Oberfinanzpräsident Berlin-Brandenburg F648 (BLHA)</li>



<li>Niedersächsisches Landesarchiv Hannover, Nds. 110 W Acc. 8/90 Nr. 221/19 und Acc. 31/99 Nr.</li>



<li>210927 (NLA)</li>



<li>Landesarchiv Berlin</li>



<li>Kreis- und Verwaltungsarchiv des Landkreises Havelland, Herrn Uwe Siegfried</li>



<li>Magistrat der Stadt Gedern, insbesondere dem Stadtarchivar Herrn Erhard Müth</li>



<li>Geschichte hat Zukunft – Neuendorf im Sande e.V., Herrn Bernd Pickert</li>



<li>Stadt Nauen, insbes. dem Bürgermeister Herrn Manuel Meger und Herrn Christoph Artymiak</li>



<li>Goethe-Gymnasium Nauen, insbes. Herrn Wieland Breuer und Frau Uta Reichel sowie den</li>



<li>Schülerinnen und Schülern des Leistungskurs Geschichte Klasse 12</li>



<li>Frau Ursula Arzbächer, Nauen und Herrn Günther Mönke, St. Ingbert</li>



<li>Herrn Wolfgang Johl und Herrn Bodo Kalkowski, Nauen (Nauener Heimatfreunde 1990 e.V.)</li>



<li>Herrn Wolfgang Wiech, Nauen (Nauener Nachtwächter)</li>



<li>Frau Juliana Ströbele-Gregor, Berlin sowie Herrn und Frau Nölte, Nauen</li>



<li>Herrn Marco Strahlendorf, Wustermark und Herrn Axel Schröder, Nauen</li>



<li>Herrn Axel Huber, Singen und Herrn Andreas Freiberg, Berlin</li>



<li>Frau Karla Meyer/Berlin, Herrn Mario Oberling/Falkensee, Herrn Jim Harrison/Dallgow</li>



<li>Herrn Jörg Zander, Frau Isabel Llorens, Frau Katharina Schorsch, Frau Sylke Hannasky</li>



<li>Frau Dr. Dr. Luisa Callejón, Berlin (Luisa Callejón Sprachdienste)</li>
</ul>



<p>und bei allen anderen Freunden und Bekannten, die dieses Projekt ermöglicht haben.</p>



<p><em>Ganz besonderer Dank geht an die Tochter von Hans Homburger, Betty Homburger, für ihr<br>Vertrauen und ihre Bereitschaft, uns viele persönliche Dokumente und Informationen zur Verfügung<br>zu stellen.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil2-wer-waren-die-homburgers/">Schicksal der Familie Homburger – Teil 2 – Wer waren die Homburgers</a> erschien zuerst auf <a href="https://nauen.eu">Funkstadt Nauen</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schicksal der Familie Homburger – Teil 3 – Das Unheil nimmt seinen Lauf</title>
		<link>https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil-3-das-unheil-nimmt-seinen-lauf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Dec 2022 04:57:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ereignisse]]></category>
		<category><![CDATA[Nauen Ausführlich]]></category>
		<category><![CDATA[Persönlichkeiten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hitler wurde am 30. Januar 1933 vom Reichspräsidenten Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Viele der über 6 Millionen Arbeitslosen erhofften sich durch ihn eine Verbesserung ihrer Lage. Nur so ist es zu verstehen, dass er schnell Gefolgsleute fand, die ihn bei den beginnenden Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung unterstützten. Als am 1. April 1933 die Zeitungen [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Hitler wurde am 30. Januar 1933 vom Reichspräsidenten Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Viele der über 6 Millionen Arbeitslosen erhofften sich durch ihn eine Verbesserung ihrer Lage. Nur so ist es zu verstehen, dass er schnell Gefolgsleute fand, die ihn bei den beginnenden Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung unterstützten.</p>



<span id="more-1115"></span>



<p>Als am 1. April 1933 die Zeitungen im ganzen Reich zum Boykott aller nichtarischen Geschäfte aufriefen, konnte die Havelländische Rundschau in der gleichen Ausgabe für Nauen bereits mit einer  Vollzugsmeldung vom Vortrag aufwarten:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Gestern abend kündete ein Umzug durch die Straßen der Stadt Nauen den Beginn des heute auch hier einsetzenden Boykotts der jüdischen Geschäfte und Ärzte an. Unter Vorantritt des SS- und SA-Reservekapelle marschierten die Nauener SA, die Motorstaffel, die SA Reserve und die Mitglieder des NSBO unter Mitführung von Transparenten, die zum Boykott der jüdischen Geschäfte aufforderten, vor einige der zu boykottierenden Geschäfte. Die Kapelle spielte dort das Lied: „Muß i denn, muß i denn<br>zum Städele hinaus…“</p>
</blockquote>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/NS-Boykott-gegen-ein-juedisches-Geschaeft-in-Berlin-am-01-04-1933.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/NS-Boykott-gegen-ein-juedisches-Geschaeft-in-Berlin-am-01-04-1933.jpg" alt="NS-Boykott gegen ein jüdisches Geschäft in Berlin am 01.04.1933 (Bundesarchiv Bild 102-14468)" class="wp-image-1130" width="400" height="264" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/NS-Boykott-gegen-ein-juedisches-Geschaeft-in-Berlin-am-01-04-1933.jpg 800w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/NS-Boykott-gegen-ein-juedisches-Geschaeft-in-Berlin-am-01-04-1933-300x198.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/NS-Boykott-gegen-ein-juedisches-Geschaeft-in-Berlin-am-01-04-1933-768x507.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/NS-Boykott-gegen-ein-juedisches-Geschaeft-in-Berlin-am-01-04-1933-409x270.jpg 409w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">NS-Boykott gegen ein jüdisches Geschäft in Berlin am 01.04.1933 (Bundesarchiv Bild 102-14468)</figcaption></figure></div>


<p>Der eigentliche Boykott der jüdischen Geschäfte und Arztpraxen in Nauen setzte am Sonnabend, den 1.  April 1933 Punkt 10 Uhr ein. Posten der SA besetzten die Geschäftseingänge und hingen Schilder vor die Türen, die zum Boykott aufforderten.</p>



<p>Die Vorgänge wurden vom Publikum ruhig oder beifällig, je nach Einstellung beobachtet. Die meisten der vom Boykott betroffenen Geschäfte hatten freiwillig geschlossen.</p>



<p>Auch vor den Häusern der jüdischen Ärzte, wie z.B. der Kinderärztin Dr. Olga Philip in der Hamburger Straße 4 und der Zahnarztpraxis von Dr. Lebram in der Dammstraße 15, standen Posten der SA. Trotz alledem sah Emil Homburger auch weiterhin seine Zukunft in Nauen. So kaufte er noch Ende 1933 Haus und Grundstück Am Ritterfeld 22.</p>



<p>Andere Geschäftsbesitzer erkannten schon früh die Zeichen der Zeit und verließen die Stadt noch rechtzeitig. So wurde aus dem Kaufhaus der Geschwister Ploschitzki das Kaufhaus Herke und in das ehemalige Kaufhaus Emil Hirsch zog ins Erdgeschoss ein Kaiser’s Kaffeegeschäft ein und in den oberen Etagen residierte nun die NSDAP-Kreisleitung unter der Adresse „Straße der SA“ wie die Mittelstraße nun hieß.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Nauen-um-1938-Strasse-der-SA.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Nauen-um-1938-Strasse-der-SA.jpg" alt="Nauen um 1938, Straße der SA" class="wp-image-1128" width="450" height="285" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Nauen-um-1938-Strasse-der-SA.jpg 900w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Nauen-um-1938-Strasse-der-SA-300x190.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Nauen-um-1938-Strasse-der-SA-768x486.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Nauen-um-1938-Strasse-der-SA-426x270.jpg 426w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Nauen um 1938, Straße der SA</figcaption></figure></div>


<p>Das gesamte gesellschaftliche Leben änderte sich schlagartig. In allen Bereichen erfolgte die  Gleichschaltung im Sinne des Nationalsozialismus. Wer sich nicht anpasste oder unterordnete wurde verhaftet oder verlor zumindest seinen Posten. So auch der von allen respektierte Direktor des Gymnasiums, Dr. Paul. Er war ein bekennender Demokrat und musste zu Gunsten eines altgedienten Parteigenossen den Weg freimachen.</p>



<p>Ab sofort herrschte ein anderer Wind am Gymnasium!</p>



<p>Aus den Erinnerungen des ehemaligen Gymnasiasten, Günther Mönke:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Der 1. Mai 1933 war ein extrem kalter Tag. An diesem „Tag der Arbeit“ wurden alle Werktätigen der Stadt Nauen zur Teilnahme an einer Großkundgebung aufgerufen, richtiger gesagt, befohlen. In geordneten Blöcken, die Fahnen voran, bewegten wir uns – jeweils fünf Teilnehmer in einer Reihe – durch die Stadt, hinaus auf den Sportplatz. Die „Braunhemden“ bildeten die Spitze. Dann kamen die Blöcke der Feuerwehr, der Postler und der Eisenbahner in ihren blauen Uniformen. Den Schluß bildeten zivilgekleidete Gruppen, sie galten als „noch nicht erfasst“, störten das Gesamtbild der Uniformierten und bildeten somit den schäbigen Rest. In dieser Kategorie marschierten auch die Schulklassen mit ihren Lehrern. Noch trugen wir<br>stolz unsere farbigen Schülermützen.“</p>
</blockquote>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Kollegium-Reformrealgymnasium-um-1932.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Kollegium-Reformrealgymnasium-um-1932.jpg" alt="Kollegium Reformrealgymnasium um 1932 (zweiter von links stehend Studienrat Dr. Scholz)" class="wp-image-1127" width="400" height="233" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Kollegium-Reformrealgymnasium-um-1932.jpg 800w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Kollegium-Reformrealgymnasium-um-1932-300x175.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Kollegium-Reformrealgymnasium-um-1932-768x447.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Kollegium-Reformrealgymnasium-um-1932-464x270.jpg 464w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Kollegium Reformrealgymnasium um 1932 (zweiter<br>von links stehend Studienrat Dr. Scholz)</figcaption></figure></div>


<p>Hans Homburger besuchte das Gymnasium noch bis zum März 1938, der sogenannten Obertertia. Dann<br>wurde der Druck immer unerträglicher.</p>



<p>Auch seine Mitgliedschaft im VDA, dem „Volksbund für das Deutschtum im Ausland“ konnte ihn nicht mehr vor den Repressalien an der Schule schützen. Der VDA in Nauen wurde von Studienrat Dr. Scholz gegründet, der für seine parteipolitische Abstinenz bekannt war. Damit wollte er eine Alternative<br>Alternative zur Hitlerjugend schaffen, scheiterte jedoch schnell mangels Mitglieder.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Zeichnung-aus-dem-Buch-Wie-in-einer-Rumpelkammer-von-Guenther-Moenke.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Zeichnung-aus-dem-Buch-Wie-in-einer-Rumpelkammer-von-Guenther-Moenke.jpg" alt="Zeichnung aus dem Buch „Wie in einer Rumpelkammer“ von Günther Mönke" class="wp-image-1133" width="300" height="201" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Zeichnung-aus-dem-Buch-Wie-in-einer-Rumpelkammer-von-Guenther-Moenke.jpg 600w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Zeichnung-aus-dem-Buch-Wie-in-einer-Rumpelkammer-von-Guenther-Moenke-300x201.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Zeichnung-aus-dem-Buch-Wie-in-einer-Rumpelkammer-von-Guenther-Moenke-403x270.jpg 403w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Zeichnung aus dem Buch „Wie in einer Rumpelkammer“ von Günther Mönke</figcaption></figure></div>


<p>Nun war der 15jährige Hans völlig ausgegrenzt. Er konnte es nicht verstehen oder wollte es einfach nicht wahrhaben, daß man mit ihm keinen Kontakt mehr haben durfte. Dabei fühlte er sich doch so sehr als Deutscher!</p>



<p>Sein Mitschüler Günther Mönke erzählt in seinen Memoiren:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Wiederholt hatte sich Hans um die Mitgliedschaft im Deutschen Jungvolk beworben. Seine Bemühungen wurden aber ignoriert. Doch der 15jährige wollte alle pauschalen Verleumdungen widerlegen: Mit Hilfe seines Vaters pachtete er von einem Bauern ein Stück Ackerland, dazu ein Pferd und das notwendige Ackergerät. Er wollte beweisen, daß auch ein jüdischer Junge genauso hart arbeiten kann wie ein deutscher Junge. Ich wohnte damals mit meinen Eltern im Fontaneweg und konnte über die Hamburger Chaussee hinweg diesen Acker einsehen. Es schmerzte mich, mitzuerleben wie Hans bei Herbstwind und Regen, in Gummistiefeln und Wettermantel, eine schwarze Baskenmütze auf dem Kopf, die Pferdeleine um den Leib gebunden, sich hinter dem Pferd und dem schweren, eisernen Pflug herschleppte. Furche um Furche brach er den schweren Lehmboden auf, der ihn mit dem Pflug immer wieder ins Wanken brachte. Seine Arme und Beine schienen unter der Anstrengung zu zittern. Jedes Mal wenn er den Straßenrand erreicht hatte, richtete er sich auf, um den schmerzenden Rücken zu recken, bevor er Pferd und Plug in die Gegenrichtung wendete.</p>



<p>Einige Zeit danach waren er und seine Eltern spurlos aus Nauen verschwunden.“</p>
</blockquote>



<p>Der eigentliche Auslöser für das Verschwinden der Homburgers war die Pogromnacht vom 09. auf den 10. November 1938, die von den Nazis auch verächtlich als „Reichskristallnacht“ bezeichnet wurde.</p>



<p>In der Havelländischen Rundschau war zu lesen:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Antijüdische Kundgebungen im Osthavelland</p>



<p>Die berechtigte Entrüstung über die jüdische Untat an dem jungen deutschen Diplomaten vom Rath in Paris hat gestern auch im Kreise Osthavelland zu starken antijüdischen Kundgebungen geführt. In Nauen wurden in den Mittagsstunden die Schaufenster der beiden noch vorhandenen jüdischen Geschäfte eingeschlagen und die Ladeneinrichtungen demoliert. Selbstverständlich sind die Waren unangetastet geblieben. Weiter sind die Synagoge in der Potsdamer Straße und die Räume der anderen in Nauen wohnhaften Juden durch die allgemeine Empörung in Mitleidenschaft gezogen worden.“</p>
</blockquote>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Zerstoertes-juedisches-Geschaeft-in-Magdeburg-am-10-11-1938.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Zerstoertes-juedisches-Geschaeft-in-Magdeburg-am-10-11-1938.jpg" alt="Zerstörtes jüdisches Geschäft in Magdeburg am 10.11.1938 (Bundesarchiv Bild 146-1970-083-44)" class="wp-image-1134" width="400" height="286" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Zerstoertes-juedisches-Geschaeft-in-Magdeburg-am-10-11-1938.jpg 800w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Zerstoertes-juedisches-Geschaeft-in-Magdeburg-am-10-11-1938-300x214.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Zerstoertes-juedisches-Geschaeft-in-Magdeburg-am-10-11-1938-768x548.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Zerstoertes-juedisches-Geschaeft-in-Magdeburg-am-10-11-1938-378x270.jpg 378w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Zerstörtes jüdisches Geschäft in Magdeburg am 10.11.1938 (Bundesarchiv Bild 146-1970-083-44)</figcaption></figure></div>


<p>Diese Darstellung verharmloste die Ereignisse in der Progromnacht schamlos. In Wirklichkeit marodierten die Nauener SA und ihre Helfer durch die Stadt und plünderten die jüdischen Geschäfte und Wohnungen aufs Schlimmste.</p>



<p>Der 1923 in Nauen geborene Tischlerlehrling Kurt Raschke schrieb in seinen Erinnerungen:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Am Morgen des 10. November 1938 ging ich wie jeden Tag zu meiner Lehrstelle, der Bau-, Sarg- und Möbeltischlerei Weizenegger in der Marktstraße 14. </p>



<p>Als ich in die Nähe der Bergstraße kam, sah ich, wie zwei SA-Männer einen etwas kleineren Mann mit Knüppeln verprügelten. Näher betrachtet, musste ich feststellen, dass es der Inhaber der Konfektionsgeschäftes Emil Homburger war. Sein Schaufenster war zertrümmert. Davor und bis<br>vor den Ladeneingang des benachbarten Geschäfts der Gärtnerei Michaelis lagen verstreut die<br>herausgeworfenen Auslagen des Textilgeschäftes.“</p>
</blockquote>



<p>Das deckt sich auch mit den Angaben in der Wiedergutmachungsakte von Emil Homburger aus dem Jahre 1956. Hier gibt er zu Protokoll:</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Schreiben-an-den-Landrat-vom-15-12-1938-ueber-die-Aufloesung-der-letzten-beiden-juedischen-Geschaefte-in-Nauen.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Schreiben-an-den-Landrat-vom-15-12-1938-ueber-die-Aufloesung-der-letzten-beiden-juedischen-Geschaefte-in-Nauen.jpg" alt="Schreiben an den Landrat vom 15.12.1938 über die Auflösung der letzten beiden jüdischen Geschäfte in Nauen (Archiv BLHA)" class="wp-image-1131" width="317" height="450" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Schreiben-an-den-Landrat-vom-15-12-1938-ueber-die-Aufloesung-der-letzten-beiden-juedischen-Geschaefte-in-Nauen.jpg 634w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Schreiben-an-den-Landrat-vom-15-12-1938-ueber-die-Aufloesung-der-letzten-beiden-juedischen-Geschaefte-in-Nauen-211x300.jpg 211w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Schreiben-an-den-Landrat-vom-15-12-1938-ueber-die-Aufloesung-der-letzten-beiden-juedischen-Geschaefte-in-Nauen-190x270.jpg 190w" sizes="auto, (max-width: 317px) 100vw, 317px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Schreiben an den Landrat vom 15.12.1938 über die Auflösung der letzten beiden jüdischen Geschäfte in Nauen (Archiv BLHA)</figcaption></figure></div>


<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Am 10. November 1938 wurde die große Schaufensterscheide meines Geschäfts zerschlagen und die Ware auf die Straße geworfen. Weiterhin wurde bei dieser Gelegenheit von den Plünderern eine große Menge von Waren aus dem Geschäft entwendet. Daraufhin wurde auf Veranlassung der Polizei vom<br>Tischlermeister Krumrey in Nauen ein Holzverschlag vor dem zerschlagenen Schaufenster angebracht. In der Nacht drangen jedoch wiederum Nazis in den Laden ein und stahlen einen weiteren Teil des Warenlagers…..“</p>
</blockquote>



<p>Auch in der privaten Wohnung der Homburgers zerschlugen die Eindringlinge Lampen, Geschirr, Fensterscheiben, Bilder, Porzellan, kurzum alles, was ihnen in die Hände kam.</p>



<p>Die von der örtlichen Polizei sogenannte „eingehende Durchsuchung“ betraf auch die Synagoge (eigentlich mehr ein Betraum) in der Potsdamer Straße. Dass diese nicht angezündet wurde, ist wohl nur dem Umstand zu verdanken, dass sie direkt neben dem Gebäude eines stadtbekannten SS-Führers stand.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Gedenktafel-am-Gebaeude-der-ehemaligen-Synagoge-in-Nauen-Goethestrasse11.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Gedenktafel-am-Gebaeude-der-ehemaligen-Synagoge-in-Nauen-Goethestrasse11.jpg" alt="Gedenktafel am Gebäude der ehemaligen Synagoge in Nauen, Potsdamer Str. 11" class="wp-image-1125" width="350" height="264" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Gedenktafel-am-Gebaeude-der-ehemaligen-Synagoge-in-Nauen-Goethestrasse11.jpg 700w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Gedenktafel-am-Gebaeude-der-ehemaligen-Synagoge-in-Nauen-Goethestrasse11-300x226.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Gedenktafel-am-Gebaeude-der-ehemaligen-Synagoge-in-Nauen-Goethestrasse11-359x270.jpg 359w" sizes="auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Gedenktafel am Gebäude der ehemaligen Synagoge in Nauen, Potsdamer Str. 11 (heute Goethestraße)</figcaption></figure></div>


<p>Emil Homburger war zu dieser Zeit das letzte hier noch wohnende Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde. In dieser Funktion musste er den Polizeibehörden alle noch vorhandenen Unterlagen aus dem demolierten Gemeindehaus sowie das Schächtemesser, das im Safe des Nauener Bankvereins lag, aushändigen.</p>



<p>Laut Anordnung der Gestapo-Zentrale in Potsdam waren alle „vermögenden männlichen Juden<br>nicht zu hohen Alters“ festzunehmen. Aufgrund dessen wurde auch Emil Homburger am 10.November verhaftet und ins Polizeigefängnis Nauen gebracht.</p>



<p>Zwei Tage später bat er in einem Brief an den Bürgermeister um seine Haftentlassung mit dem Versprechen, jederzeit der Polizeibehörde zur Verfügung zu stehen. Vergeblich! Am 15. November wurde er zur Gestapo-Zentrale nach Potsdam gebracht. Dort wurde ihm eindeutig zu verstehen gegeben, dass er Deutschland schnellstmöglich zu verlassen habe, sonst drohe ihm erneut Verhaftung und Verbringung in ein Konzentrationslager. Nach fast zwei Wochen ständiger Bedrohung und Einschüchterung wurde Emil Homburger aus der Gestapohaft entlassen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Schreiben-des-Landrats-vom-11-11-1938-an-die-Ortspolizeibehoerden-im-Kreis-Osthavelland.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="538" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Schreiben-des-Landrats-vom-11-11-1938-an-die-Ortspolizeibehoerden-im-Kreis-Osthavelland.jpg" alt="Schreiben des Landrats vom 11.11.1938 an die Ortspolizeibehörden im Kreis Osthavelland (Archiv BLHA)" class="wp-image-1132" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Schreiben-des-Landrats-vom-11-11-1938-an-die-Ortspolizeibehoerden-im-Kreis-Osthavelland.jpg 800w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Schreiben-des-Landrats-vom-11-11-1938-an-die-Ortspolizeibehoerden-im-Kreis-Osthavelland-300x202.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Schreiben-des-Landrats-vom-11-11-1938-an-die-Ortspolizeibehoerden-im-Kreis-Osthavelland-768x516.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Schreiben-des-Landrats-vom-11-11-1938-an-die-Ortspolizeibehoerden-im-Kreis-Osthavelland-401x270.jpg 401w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Schreiben des Landrats vom 11.11.1938 an die Ortspolizeibehörden im Kreis Osthavelland (Archiv BLHA)</figcaption></figure></div>


<p>Von diesen Ereignissen im November 1938 in Nauen bekam sein Sohn Hans nichts mit, denn er machte seit dem 1. April 1938 eine landwirtschaftliche Ausbildung im Landwerk Neuendorf bei  Fürstenwalde/Spree. Dieser Lehrbetrieb für Landwirtschaft und Gartenbau der Jüdischen Arbeitshilfe e.V. Berlin bestand bereits seit 1932 und bot jüdischen Jugendlichen Ausbildungsmöglichkeiten in Land-, Forst- und Viehwirtschaft, Gärtnerei und anfangs auch in handwerklichen Berufen an.</p>



<p>Nach der Machtübernahme der Nazis wurde das Landwerk Neuendorf darüber hinaus eine überlebenswichtige Zwischenstation für die Auswanderung junger Juden sowohl nach Palästina als auch in andere Aufnahmeländer. Es galt bald als die „größte Berufsausbildungsstätte für junge Juden in<br>Deutschland“. Der Verein versuchte die Ausbildung, die sogenannte Hachschara, mit den realen Auswanderungsmöglichkeiten zu koppeln, was von Jahr zu Jahr immer schwieriger wurde. Trotzdem gelang es ihm z.B., dass von Dezember 1935 bis Juni 1939 mehrere Familien nach Argentinien<br>auswandern konnten. Dass die Bewerber und Bewerberinnen die Fähigkeit zu schwerer körperlicher Arbeit mitbrachten, hatten sie bei ihrer Aufnahme durch ein ärztliches Attest nachweisen müssen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Jugendliche-bei-der-Urbarmachung-von-Gartenland.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Jugendliche-bei-der-Urbarmachung-von-Gartenland.jpg" alt="Jugendliche bei der Urbarmachung von Gartenland (Fotografin unbekannt, Leo Baeck Institute New York)" class="wp-image-1126" width="300" height="235" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Jugendliche-bei-der-Urbarmachung-von-Gartenland.jpg 600w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Jugendliche-bei-der-Urbarmachung-von-Gartenland-300x235.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Jugendliche-bei-der-Urbarmachung-von-Gartenland-345x270.jpg 345w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Jugendliche bei der Urbarmachung von Gartenland (Fotografin unbekannt, Leo Baeck Institute New York)</figcaption></figure></div>


<p>Besonders die jungen Männer wurden zu schweren Landarbeiten zur Bodenverbesserung herangezogen. Hans Homburger sollten diese Erfahrungen ein paar Jahre später von großem Nutzen sein. Da er sich schon immer für Pferde interessierte, arbeitete er auch im Pferdestall des Gutes. Frühmorgens um halb 4 Uhr begann sein Arbeitstag mit der Pflege der Pferde und der Gespanne. Dort erlebte er auch den massiven Angriff der SS-Horden im November 1938.</p>



<p>Kurt Gumpel, ein ehemaliger Neuendorfer, erinnert sich an die Pogromnacht im Landwerk Neuendorf wie folgt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Dass das Leben auf dem Gut Neuendorf dennoch nicht ungefährdet war, demonstrierte nachdrücklich ein Vorfall, bei dem eines Nachts plötzlich ein SS-Trupp auftauchte, der die Praktikanten in das KZ Sachsenhausen verbringen sollte. Nur durch das beherzte Eingreifen des jüdischen Leiters der Einrichtung, Alex Moch, gelang es, den SS-Führer zu überzeugen, daß der landwirtschaftliche Betrieb nicht ohne ausreichende Arbeitskräfte geführt werden könnte, so daß wenigstens der jüngere Teil der Praktikanten<br>verschont blieb.“</p>
</blockquote>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Neuendorf-2021-in-diesem-Pferdestall-arbeitete-Hans-Homburger-vom-01-04-1938-bis-22-02-1939.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Neuendorf-2021-in-diesem-Pferdestall-arbeitete-Hans-Homburger-vom-01-04-1938-bis-22-02-1939.jpg" alt="Neuendorf 2021, in diesem Pferdestall arbeitete Hans Homburger vom 01.04.1938 bis 22.02.1939" class="wp-image-1129" width="300" height="225" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Neuendorf-2021-in-diesem-Pferdestall-arbeitete-Hans-Homburger-vom-01-04-1938-bis-22-02-1939.jpg 600w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Neuendorf-2021-in-diesem-Pferdestall-arbeitete-Hans-Homburger-vom-01-04-1938-bis-22-02-1939-300x225.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Neuendorf-2021-in-diesem-Pferdestall-arbeitete-Hans-Homburger-vom-01-04-1938-bis-22-02-1939-360x270.jpg 360w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Neuendorf 2021, in diesem Pferdestall arbeitete Hans Homburger vom 01.04.1938 bis 22.02.1939</figcaption></figure></div>


<p>Von diesen Ereignissen erzählte Hans Homburger später auch seiner Tochter Betty:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Mein Vater erinnerte sich sehr gut an seine Ausbildung im Landwerk Neuendorf. Er war immer dankbar,<br>wenn er etwas über die Landwirtschaft und die Arbeit mit Pferden lernen konnte, die er liebte. Besonders dankbar war er den Verantwortlichen, daß man ihn, in einer sehr schwierigen Zeit seines Lebens, als er beinahe ins Konzentrationslager geschickt worden wäre, mit der Aussage rettete, dass er sich um die Pferde kümmern müsse.“</p>
</blockquote>



<p>Hans blieb noch bis zum 22. Februar 1939 im Landwerk Neuendorf. In seinem Zeugnis wurde besonders seine Tierliebe hervorgehoben und eine Zukunft als Tierpfleger empfohlen. Normalerweise dauerte eine Ausbildung im Landwerk ein Jahr. Aber in diesem Fall musste sie früher abgebrochen werden, da sein Vater die lang ersehnten Visa für die Auswanderung erhalten hatte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Brotzeit-Kurt-Gumpel-in-Neuendorf-obere-Reihe-dritter-von-links-1937-38.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="400" height="288" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Brotzeit-Kurt-Gumpel-in-Neuendorf-obere-Reihe-dritter-von-links-1937-38.jpg" alt="Brotzeit - Kurt Gumpel in Neuendorf, obere Reihe, dritter von links, 1937/38. Fotografin unbekannt (Städtisches Museum Lemgo/Gedenkstätte Frenkel-Haus, Nachlass Kurt Gumpel)" class="wp-image-1124" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Brotzeit-Kurt-Gumpel-in-Neuendorf-obere-Reihe-dritter-von-links-1937-38.jpg 400w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Brotzeit-Kurt-Gumpel-in-Neuendorf-obere-Reihe-dritter-von-links-1937-38-300x216.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/Brotzeit-Kurt-Gumpel-in-Neuendorf-obere-Reihe-dritter-von-links-1937-38-375x270.jpg 375w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Brotzeit &#8211; Kurt Gumpel in Neuendorf, obere Reihe, dritter von links, 1937/38. Fotografin unbekannt (Städtisches Museum Lemgo/Gedenkstätte Frenkel-Haus, Nachlass Kurt Gumpel)</figcaption></figure></div>


<p><strong><em>Autor: Uwe Ulrich</em></strong></p>



<p>>>> Hier zu <a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil-4-die-flucht-nach-bolivien/">Schicksal der Familie Homburger &#8211; Teil4 &#8211; Flucht nach Bolivien</a></p>



<p>>>> Hier zu <a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil1-juedisches-leben-in-nauen/">Schicksal der Familie Homburger – Teil1 – Jüdisches Leben in Nauen</a></p>



<p>&gt;&gt;&gt; Hier zu <a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil2-wer-waren-die-homburgers/">Schicksal der Familie Homburger – Teil 2 – Wer waren die Homburgers</a></p>



<p><strong>Quellennachweis:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Aus der Geschichte der Stadt Nauen, die ehemalige Jüdische Gemeinde von Ursula Arzbächer</li>



<li>Wie in einer Rumpelkammer, Erinnerungen 1923 – 2005 von Günther Mönke</li>



<li>Transnationale Spurensuche in den Anden, von geflüchteten Juden, „Altdeutschen“ und Nazis in</li>



<li>Bolivien von Juliana Ströbele-Gregor</li>



<li>Hotel Bolivia von Leo Spitzer</li>



<li>Und seh’n wir die Heimat nicht wieder – vom märkischen Nauen zum nördlichen Eismeer 1941 -1945</li>



<li>von Kurt Raschke</li>



<li>Das Landwerk Neuendorf: Berufsumschichtung – Hachschara -Zwangsarbeit von Harald Lordick</li>



<li>Nauener Heimatblätter, herausgegeben von den Nauener Heimatfreunden 1990 e.V.</li>



<li>In Nauen durch die Jahrhunderte von Martina al Diban</li>
</ul>



<p><strong>Für die freundliche Unterstützung bei der Recherche und für die Übergabe von Dokumenten,<br>Fotos und Informationen möchten wir uns bedanken bei:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam, Rep. 8 Stadt Nauen Nr. 101 und Rep. 36A</li>



<li>Oberfinanzpräsident Berlin-Brandenburg F648 (BLHA)</li>



<li>Niedersächsisches Landesarchiv Hannover, Nds. 110 W Acc. 8/90 Nr. 221/19 und Acc. 31/99 Nr.</li>



<li>210927 (NLA)</li>



<li>Landesarchiv Berlin</li>



<li>Kreis- und Verwaltungsarchiv des Landkreises Havelland, Herrn Uwe Siegfried</li>



<li>Magistrat der Stadt Gedern, insbesondere dem Stadtarchivar Herrn Erhard Müth</li>



<li>Geschichte hat Zukunft – Neuendorf im Sande e.V., Herrn Bernd Pickert</li>



<li>Stadt Nauen, insbes. dem Bürgermeister Herrn Manuel Meger und Herrn Christoph Artymiak</li>



<li>Goethe-Gymnasium Nauen, insbes. Herrn Wieland Breuer und Frau Uta Reichel sowie den</li>



<li>Schülerinnen und Schülern des Leistungskurs Geschichte Klasse 12</li>



<li>Frau Ursula Arzbächer, Nauen und Herrn Günther Mönke, St. Ingbert</li>



<li>Herrn Wolfgang Johl und Herrn Bodo Kalkowski, Nauen (Nauener Heimatfreunde 1990 e.V.)</li>



<li>Herrn Wolfgang Wiech, Nauen (Nauener Nachtwächter)</li>



<li>Frau Juliana Ströbele-Gregor, Berlin sowie Herrn und Frau Nölte, Nauen</li>



<li>Herrn Marco Strahlendorf, Wustermark und Herrn Axel Schröder, Nauen</li>



<li>Herrn Axel Huber, Singen und Herrn Andreas Freiberg, Berlin</li>



<li>Frau Karla Meyer/Berlin, Herrn Mario Oberling/Falkensee, Herrn Jim Harrison/Dallgow</li>



<li>Herrn Jörg Zander, Frau Isabel Llorens, Frau Katharina Schorsch, Frau Sylke Hannasky</li>



<li>Frau Dr. Dr. Luisa Callejón, Berlin (Luisa Callejón Sprachdienste)</li>
</ul>



<p>und bei allen anderen Freunden und Bekannten, die dieses Projekt ermöglicht haben.</p>



<p><em>Ganz besonderer Dank geht an die Tochter von Hans Homburger, Betty Homburger, für ihr<br>Vertrauen und ihre Bereitschaft, uns viele persönliche Dokumente und Informationen zur Verfügung<br>zu stellen.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil-3-das-unheil-nimmt-seinen-lauf/">Schicksal der Familie Homburger – Teil 3 – Das Unheil nimmt seinen Lauf</a> erschien zuerst auf <a href="https://nauen.eu">Funkstadt Nauen</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schicksal der Familie Homburger – Teil 4 &#8211; Die Flucht nach Bolivien</title>
		<link>https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil-4-die-flucht-nach-bolivien/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Dec 2022 04:55:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ereignisse]]></category>
		<category><![CDATA[Nauen Ausführlich]]></category>
		<category><![CDATA[Persönlichkeiten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://nauen.eu/?p=1142</guid>

					<description><![CDATA[<p>Hatte Emil Homburger in den zurückliegenden fast 6 Jahren immer noch an das Gute im Menschen geglaubt, so gab er sich nach den Ereignissen in der Pogromnacht keinen Illusionen mehr hin. Jetzt war endgültig der Zeitpunkt gekommen, an dem er und seine Familie Deutschland so schnell wie möglich verlassen mussten, auch wenn sie ihr Vaterland [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil-4-die-flucht-nach-bolivien/">Schicksal der Familie Homburger – Teil 4 &#8211; Die Flucht nach Bolivien</a> erschien zuerst auf <a href="https://nauen.eu">Funkstadt Nauen</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Hatte Emil Homburger in den zurückliegenden fast 6 Jahren immer noch an das Gute im Menschen geglaubt, so gab er sich nach den Ereignissen in der Pogromnacht keinen Illusionen mehr hin. Jetzt war endgültig der Zeitpunkt gekommen, an dem er und seine Familie Deutschland so schnell wie möglich verlassen mussten, auch wenn sie ihr Vaterland noch so sehr liebten!</p>



<span id="more-1142"></span>



<p>Unmittelbar nach der Haftentlassung begann für den Familienvater eine Odyssee von einer Behörde zur anderen. Welche Papiere verlangten die Nazis für die Ausreise, welche Kosten waren zu erwarten und vor allem – wohin konnte man überhaupt noch ausreisen?</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/juedische-auswanderer-vor-dem-reisebuero-palestine-und-orient-lloyd-in-berlin-min.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/juedische-auswanderer-vor-dem-reisebuero-palestine-und-orient-lloyd-in-berlin-min.jpg" alt="Jüdische Auswanderer vor dem Reisebüro Palestine &amp; Orient Lloyd in Berlin (Bundesarchiv Bild 183-1939 E01073)" class="wp-image-1269" width="400" height="278" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/juedische-auswanderer-vor-dem-reisebuero-palestine-und-orient-lloyd-in-berlin-min.jpg 800w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/juedische-auswanderer-vor-dem-reisebuero-palestine-und-orient-lloyd-in-berlin-min-300x209.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/juedische-auswanderer-vor-dem-reisebuero-palestine-und-orient-lloyd-in-berlin-min-768x534.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/juedische-auswanderer-vor-dem-reisebuero-palestine-und-orient-lloyd-in-berlin-min-676x470.jpg 676w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Jüdische Auswanderer vor dem Reisebüro Palestine &amp; Orient Lloyd in Berlin (Bundesarchiv Bild 183-1939 E01073)</figcaption></figure></div>


<p>Diese Fragen stellten sich nach dem November 1938 viele der noch in Deutschland lebenden Juden und es begann ein Ansturm auf die Jüdischen Hilfsorganisationen, wie z.Bsp. das Palästinaamt in Berlin, das<br>sogenannte Einwanderungszertifikate der britischen Mandatsregierung für Palästina ausstellte.</p>



<p>Ob Emil Homburger ein solches Zertifikat beantragt hat, ist nicht bekannt. Wir wissen aber, dass in<br>einem Schreiben vom 9. Dezember 1938 von der örtlichen Polizei an das Finanzamt Nauen als<br>Auswanderungsziel Trinidad in Südamerika erwähnt wird. Ob es sich dabei um die Insel in der Karibik oder die Stadt in Bolivien handelte, ist unklar. Im nachfolgenden Schriftverkehr wird jedenfalls nur noch vom Auswanderungsziel Bolivien gesprochen.</p>



<p>Für die Ausstellung eines Visums beantragte Herr Homburger eine steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung beim Finanzamt. Dieses informierte umgehend die Gestapo in Potsdam über die Auswanderungsabsicht der Homburgers.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/sicherungsanordnung-der-zollfahndungsstelle-min.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/sicherungsanordnung-der-zollfahndungsstelle-min.jpg" alt="Sicherungsanordnung der Zollfahndungsstelle vom 23.11.1938 (Archiv BLHA)" class="wp-image-1277" width="400" height="268" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/sicherungsanordnung-der-zollfahndungsstelle-min.jpg 800w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/sicherungsanordnung-der-zollfahndungsstelle-min-300x201.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/sicherungsanordnung-der-zollfahndungsstelle-min-768x515.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/sicherungsanordnung-der-zollfahndungsstelle-min-676x453.jpg 676w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Sicherungsanordnung der Zollfahndungsstelle vom 23.11.1938 (Archiv BLHA)</figcaption></figure></div>


<p>Noch schneller war die Zollfahndungsstelle in Brandenburg, die bereits am 23. November 1938, also unmittelbar nach der Haftentlassung von Herrn Homburger, seine Schließfächer beim Nauener Bankverein sperren ließ.</p>



<p>Das veranlasste wiederum die Devisenstelle des Oberfinanzpräsidenten in Brandenburg, sofort auch alle anderen Konten, Guthaben und Versicherungen von Emil Homburger zu sperren. Die Familie Homburger kam jetzt praktisch nicht mehr an ihr eigenes Geld.</p>



<figure class="wp-block-image alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/genehmigungsbescheid-an-den-nauener-bankverein-min.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/genehmigungsbescheid-an-den-nauener-bankverein-min.jpg" alt="Genehmigungsbescheid an den Nauener Bankverein zwecks Freigabe von 324,00 RM für die Bezahlung einer Zahnarztrechnung (Archiv BLHA)" class="wp-image-1267" width="161" height="250" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/genehmigungsbescheid-an-den-nauener-bankverein-min.jpg 645w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/genehmigungsbescheid-an-den-nauener-bankverein-min-194x300.jpg 194w" sizes="auto, (max-width: 161px) 100vw, 161px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Genehmigungsbescheid an den Nauener Bankverein zwecks Freigabe von 324,00 RM für die Bezahlung einer Zahnarztrechnung
(Archiv BLHA)</figcaption></figure>



<p>Sämtliche Ausgaben mussten vorher bei dieser Finanzbehörde schriftlich beantragt werden. Diese erteilte dann dem entsprechenden Bankhaus eine Freigabe der beantragten Summe.<br>Egal ob es sich dabei um die noch bis zum 31. März 1939 laufende Miete für das seit der Pogromnacht geschlossene Geschäft, eine Zahnarztrechnung oder den Kauf von Gegenständen für die Auswanderung handelte. Es gab nur diesen einen umständlichen Weg, um alles bezahlen zu können.</p>



<p>Bis zum Jahresende 1938 durften die Anträge noch mit Emil Homburger unterschrieben werden. Ab dem 1. Januar 1939 wurde er per Gesetz dazu gezwungen, den Zusatznamen „Israel“ hinzuzusetzen. Ein weiterer Schritt der Diskriminierung und Ausgrenzung!<br>Mit deutscher Gründlichkeit verlangten die neuen Machthaber von der jüdischen Bevölkerung, dass auch sämtliche Geburts- und Heiratsurkunden nachträglich mit den Namen „Sara“ und „Israel“ ergänzt werden müssen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/pass-emil-homburger-min.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/pass-emil-homburger-min.jpg" alt="Pass Emil Homburger, ungültig gestempelt in den 1950er Jahren von der Konsularabteilung der BRD in La Paz, Bolivien (Privatbesitz Betty Homburger)" class="wp-image-1273" width="225" height="220" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/pass-emil-homburger-min.jpg 450w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/pass-emil-homburger-min-300x293.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Pass Emil Homburger, ungültig gestempelt in den 1950er Jahren von der Konsularabteilung der BRD in La Paz, Bolivien (Privatbesitz Betty Homburger)</figcaption></figure></div>


<p>Die Standesbeamten im ganzen Land hatten plötzlich eine Flut von Dokumenten zu bearbeiten, da auch Anträge von bereits ausgewanderten Juden aus dem Ausland eingereicht wurden. Dort hatten die deutschen Konsulate die Emigranten aufgefordert, sich neue Papiere zu besorgen.</p>



<p>Die Einführung der zwangsweisen Zusätze bei den Namen war nur eine von vielen Schikanen, die die<br>jüdische Bevölkerung zu spüren bekam. Auch das Hab und Gut der zur Auswanderung gezwungenen Menschen war nicht mehr sicher. Laut „Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens“<br>vom 3. Dezember 1938 war Herr Homburger gezwungen, auch seinen Grundbesitz zu verkaufen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/wohnhaus-familie-homburger-am-ritterfeld-nauen-min.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/wohnhaus-familie-homburger-am-ritterfeld-nauen-min.jpg" alt="Nauen, Am Ritterfeld 22 (2001)" class="wp-image-1280" width="300" height="206" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/wohnhaus-familie-homburger-am-ritterfeld-nauen-min.jpg 600w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/wohnhaus-familie-homburger-am-ritterfeld-nauen-min-300x206.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Nauen, Am Ritterfeld 22 (2001)</figcaption></figure></div>


<p>Bereits eine Woche nach Inkrafttreten dieser Verordnung wurde der Kaufvertrag für Haus und Grundstück Am Ritterfeld 22 unterschrieben. Mit diesem Vertrag wechselten nicht nur Haus und Garten ihren Besitzer, sondern auch Möbel, Klavier, Teppiche und Bilder. Über die Kaufsumme konnte die Familie Homburger jedoch nie verfügen. Sie wurde sofort auf ein Sperrkonto überwiesen.</p>



<p>Als Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde musste er ebenfalls das Grundstück mit dem Synagogengebäude der Stadt Nauen zum Kauf anzubieten. Am 1. März 1939 ging das Grundstück<br>in der Potsdamer Straße 11 in den Besitz der Stadt über.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/schreiben-ueber-den-verkauf-des-synagogengebaeudes-an-die-stadt-nauen-min.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/schreiben-ueber-den-verkauf-des-synagogengebaeudes-an-die-stadt-nauen-min.jpg" alt="Schreiben v. 4.1.1939 über den Verkauf des Synagogengebäudes an die Stadt Nauen (Archiv BLHA)" class="wp-image-1276" width="541" height="763" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/schreiben-ueber-den-verkauf-des-synagogengebaeudes-an-die-stadt-nauen-min.jpg 721w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/schreiben-ueber-den-verkauf-des-synagogengebaeudes-an-die-stadt-nauen-min-213x300.jpg 213w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/schreiben-ueber-den-verkauf-des-synagogengebaeudes-an-die-stadt-nauen-min-676x954.jpg 676w" sizes="auto, (max-width: 541px) 100vw, 541px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Schreiben v. 4.1.1939 über den Verkauf des Synagogengebäudes an die Stadt Nauen (Archiv BLHA)</figcaption></figure></div>


<p>Mitte Januar 1939 kam endlich die Nachricht, auf die die Homburgers so lange gewartet haben. Das Reisebüro Palestine &amp; Orient Lloyd schrieb am Januar 1939 an Emil Homburger:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Betrifft: Ihre Ausreise nach Bolivien</p>



<p>Sehr geehrter Herr Homburger,</p>



<p>wir teilen Ihnen höflichst mit, daß wir für Sie auf der „COLOMBO“ am 25. Januar 1939 von Marseille nach Mollendo Plätze belegt haben. Die Kosten für die Passage für Sie, Ihre Gattin und Ihren Sohn werden sich inclusive Bordgeld, Gebühren etc auf RM 3.300,00 belaufen. Genaue Rechnungserteilung behalten wir uns vor. Hierauf haben Sie bereits RM 1.350,00 angezahlt.<br>Wir würden Ihnen sehr empfehlen, diese Passagemöglichkeit auszunutzen, da es in den nächsten Monaten sehr schwierig sein wird, Sie unterzubringen.“</p>
</blockquote>



<p>Jetzt begann ein Wettlauf mit der Zeit!</p>



<figure class="wp-block-image alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/quittung-golddiskontabgabe-min.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/quittung-golddiskontabgabe-min.jpg" alt="Quittung über die Golddiskontabgabe (Archiv BLHA)" class="wp-image-1274" width="350" height="247" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/quittung-golddiskontabgabe-min.jpg 700w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/quittung-golddiskontabgabe-min-300x212.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/quittung-golddiskontabgabe-min-676x477.jpg 676w" sizes="auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Quittung über die Golddiskontabgabe
(Archiv BLHA)</figcaption></figure>



<p>Um den enormen Schriftverkehr mit den Behörden bewältigen zu können, bevollmächtigte Herr Homburger einen Devisenberater in Berlin. Dieser sollte insbesondere die fristgerechten Überweisungen<br>der Zwangsabgaben regeln:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Judenvermögensabgabe 20.000 RM</li>



<li>Reichsfluchtsteuer 20.000 RM</li>



<li>Golddiskontabgabe 7.000 RM</li>
</ul>



<p>Die Nauener Spedition Carl Thöns &amp; Co. wurde mit dem Transport des Umzugsguts beauftragt. Mit der Anmeldung beim Zoll wurde auch eine Aufstellung aller Gegenstände eingereicht. Im beigefügten Anschreiben bat Herr Homburger, die Mitnahme der neu gekauften Erika-Schreibmaschine sowie des<br>landwirtschaftlichen Handwerkszeugs zu genehmigen. Beide Sachen sollten der Familie Erwerbsmöglichkeiten in Bolivien verschaffen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/angebot-spedition-thoens-fuer-den-transport-von-nauen-nach-chile-min.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/angebot-spedition-thoens-fuer-den-transport-von-nauen-nach-chile-min.jpg" alt="Angebot der Spedition Thöns für den Transport von Nauen nach Arica in Chile (Archiv BLHA)" class="wp-image-1264" width="525" height="750" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/angebot-spedition-thoens-fuer-den-transport-von-nauen-nach-chile-min.jpg 700w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/angebot-spedition-thoens-fuer-den-transport-von-nauen-nach-chile-min-210x300.jpg 210w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/angebot-spedition-thoens-fuer-den-transport-von-nauen-nach-chile-min-676x966.jpg 676w" sizes="auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Angebot der Spedition Thöns für den Transport von Nauen nach Arica in Chile (Archiv BLHA)</figcaption></figure></div>


<p>Die Umzugsanmeldung wurde vom Zoll geprüft und unter der Voraussetzung der Zahlung der Golddiskontabgabe für die Erstellung einer Unbedenklichkeitsbescheinigung freigegeben. Diese erfolgte am 21. Februar 1939. Zu diesem Zeitpunkt hatte die „COLOMBO“ Marseille schon längst verlassen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/unbedenklichkeitsbescheinigung-des-oberfinanzpraesidenten-in-brandenburg-min.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/unbedenklichkeitsbescheinigung-des-oberfinanzpraesidenten-in-brandenburg-min.jpg" alt="Unbedenklichkeitsbescheinigung des Oberfinanzpräsidenten in Brandenburg vom 21.02.1939 für Emil Homburger (Archiv NLA)" class="wp-image-1279" width="350" height="297" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/unbedenklichkeitsbescheinigung-des-oberfinanzpraesidenten-in-brandenburg-min.jpg 700w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/unbedenklichkeitsbescheinigung-des-oberfinanzpraesidenten-in-brandenburg-min-300x255.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/unbedenklichkeitsbescheinigung-des-oberfinanzpraesidenten-in-brandenburg-min-676x574.jpg 676w" sizes="auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Unbedenklichkeitsbescheinigung des Oberfinanzpräsidenten in Brandenburg vom 21.02.1939 für Emil Homburger (Archiv NLA)</figcaption></figure></div>


<p>Während die Familie auf die Ausreisepapiere gewartet hatte und erkannte, dass das gebuchte Schiff nicht<br>mehr zu erreichen war, hatte Herr Homburger es glücklicherweise geschafft, auf der „ORAZIO“ Ersatzplätze zu buchen. Dieses Schiff sollte am 28. Februar 1939 Marseille in Richtung Arica in Chile verlassen. Es blieben ihnen nur noch 7 Tage Zeit!</p>



<p>Zuerst musste der Sohn aus Neuendorf zurückgeholt werden.<br>Dann war es soweit!<br>Emil, Bianka und Hans Homburger verließen Ende Februar 1939 ihre Heimatstadt Nauen.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow"><div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/buchungsbestaetigung-schiffspassage-mit-orazio-min.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/buchungsbestaetigung-schiffspassage-mit-orazio-min.jpg" alt="Buchungsbestätigung für die Schiffspassage mit der ORAZIO (Archiv NLA)" class="wp-image-1265" width="210" height="250" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/buchungsbestaetigung-schiffspassage-mit-orazio-min.jpg 839w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/buchungsbestaetigung-schiffspassage-mit-orazio-min-252x300.jpg 252w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/buchungsbestaetigung-schiffspassage-mit-orazio-min-768x915.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/buchungsbestaetigung-schiffspassage-mit-orazio-min-676x806.jpg 676w" sizes="auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Buchungsbestätigung für die Schiffspassage mit der ORAZIO (Archiv NLA)</figcaption></figure></div></div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow"><div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/ms-virgilio-schwesternschiff-der-ms-orazio-min.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="600" height="402" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/ms-virgilio-schwesternschiff-der-ms-orazio-min.jpg" alt="MS Virgilio, das Schwesternschiff der MS Orazio, war auf der gleichen Route unterwegs" class="wp-image-1272" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/ms-virgilio-schwesternschiff-der-ms-orazio-min.jpg 600w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/ms-virgilio-schwesternschiff-der-ms-orazio-min-300x201.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">MS Virgilio, das Schwesternschiff der MS Orazio, war auf der gleichen Route unterwegs</figcaption></figure></div></div>
</div>



<p>Bevor die Schiffspassage in Marseille beginnen konnte, musste die Familie sich aber noch Transitvisa für Chile besorgen, denn Bolivien hat keinen direkten Zugang zum Meer.<br>Erst am 27. Februar 1939 stellte das chilenische Konsulat in Paris die Visa aus. Ein Tag später ging die Familie an Bord der „ORAZIO“ und verließ Europa. <br>Nach wochenlanger Fahrt erreichte das Schiff Arica in Nordchile.</p>



<figure class="wp-block-image alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/transitvisum-fuer-chile-hans-homburger-min.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/transitvisum-fuer-chile-hans-homburger-min.jpg" alt="Transitvisum für Chile für Hans Homburger, Paris 27.02.1939 (Privatbesitz Betty Homburger)" class="wp-image-1278" width="292" height="235" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/transitvisum-fuer-chile-hans-homburger-min.jpg 584w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/transitvisum-fuer-chile-hans-homburger-min-300x241.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 292px) 100vw, 292px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Transitvisum für Chile für Hans
Homburger, Paris 27.02.1939
(Privatbesitz Betty Homburger)</figcaption></figure>



<p>Von dort ging es am 9. April 1939 mit dem Zug in die bolivianische Hauptstadt La Paz, die sie nach 2,5 Tagen erreichten. Hier half ihnen die jüdische Organisation Sopro bei den ersten Schritten in einem neuen, unbekannten Land. Aber noch etwas half den Homburgers – die Erika-Schreibmaschine aus Deutschland! Sie wurde verkauft und der Erlös sicherte das Überleben in den ersten Wochen.</p>



<p>Bianka Homburger arbeitete als Krankenschwester für das Rote Kreuz und ihr Mann fand eine Anstellung in einem Lebensmittelgeschäft. Im November 1939 eröffnete Emil Homburger sein eigenes kleines Café-Restaurant, aus dem später ein Delikatessenladen wurde.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/zeugnis-des-landwerks-neuendorf-fuer-hans-homburger-min.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/zeugnis-des-landwerks-neuendorf-fuer-hans-homburger-min.jpg" alt="Zeugnis des Landwerks Neuendorf vom 22.02.1939 für Hans Homburger (Privatbesitz Betty Homburger)" class="wp-image-1281" width="372" height="563" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/zeugnis-des-landwerks-neuendorf-fuer-hans-homburger-min.jpg 496w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/zeugnis-des-landwerks-neuendorf-fuer-hans-homburger-min-198x300.jpg 198w" sizes="auto, (max-width: 372px) 100vw, 372px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Zeugnis des Landwerks Neuendorf vom 22.02.1939 für Hans Homburger (Privatbesitz Betty Homburger)</figcaption></figure></div>


<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/landarbeiter-buena-tierra-min.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/landarbeiter-buena-tierra-min.jpg" alt="Landarbeiter in der Buena Tierra 1943 (JDC-Archive)" class="wp-image-1270" width="400" height="288" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/landarbeiter-buena-tierra-min.jpg 800w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/landarbeiter-buena-tierra-min-300x216.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/landarbeiter-buena-tierra-min-768x553.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/landarbeiter-buena-tierra-min-676x487.jpg 676w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Landarbeiter in der Buena Tierra 1943
(JDC-Archive)</figcaption></figure>



<p>Der Sohn Hans arbeitete anfangs in einer Wurstfabrik in La Paz, bevor er 1940 als Landarbeiter in die<br>subtropische Yungas-Region, östlich der Hauptstadt, ging. Dort wurden damals drei Agrarkolonien, die<br>Buena Tierra, aufgebaut, um jüdische Emigranten aus Europa anzusiedeln, die diese unwirtliche Gegend<br>landwirtschaftlich kultivieren sollten. Nur unter dieser Bedingung erteilte die Regierung in Bolivien in den<br>Jahren 1939/1940 sogenannte „Agrar-Visa“ für jüdische Flüchtlinge aus Europa. Nicht alle Inhaber eines solchen Visums brachten auch Erfahrungen in der Land- und Fortwirtschaft mit. Hans Homburger schon!</p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/rodung-fuer-eine-huehnerfarm-buena-tierra-min.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/rodung-fuer-eine-huehnerfarm-buena-tierra-min.jpg" alt="Rodung für eine neue Hühnerfarm, Buena Tierra 1943 (JDC-Archive)" class="wp-image-1275" width="150" height="104" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/rodung-fuer-eine-huehnerfarm-buena-tierra-min.jpg 600w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/rodung-fuer-eine-huehnerfarm-buena-tierra-min-300x208.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Rodung für eine neue Hühnerfarm,
Buena Tierra 1943 (JDC-Archive)</figcaption></figure>



<p>Der Aufbau dieser Kolonien stellte für die europäischen Siedler eine immense Herausforderung dar und so entschieden sich viele Kolonisten, nach und nach in die Stadt zurückzukehren. Die letzten von ihnen verließen 1946 die Yungas. Nur Hans Homburger blieb! Er wurde sesshaft und gründete eine Familie.</p>



<p>1951 und 1954 kamen seine beiden Töchter Bertha (Betty) und Erna zur Welt. Beide Mädchen wuchsen bei den Großeltern auf, weil die Bildungsmöglichkeiten in der Hauptstadt besser waren als auf dem Land. Bei dieser Gelegenheit lernten sie auch die deutsche Sprache.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/lapaz-zentrum-hauptgeschaeftsstrasse-el-prado-min.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/lapaz-zentrum-hauptgeschaeftsstrasse-el-prado-min.jpg" alt="LaPaz 1952, Zentrum mit Hauptgeschäftsstraße El Prado (Postkarte aus dem Privatarchiv von Juliana Ströbele-Gregor)" class="wp-image-1271" width="400" height="236" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/lapaz-zentrum-hauptgeschaeftsstrasse-el-prado-min.jpg 800w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/lapaz-zentrum-hauptgeschaeftsstrasse-el-prado-min-300x177.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/lapaz-zentrum-hauptgeschaeftsstrasse-el-prado-min-768x452.jpg 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/lapaz-zentrum-hauptgeschaeftsstrasse-el-prado-min-676x398.jpg 676w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">LaPaz 1952, Zentrum mit Hauptgeschäftsstraße El Prado (Postkarte aus dem Privatarchiv von Juliana Ströbele-Gregor)</figcaption></figure></div>


<p>Das subtropische Klima hinterließ aber auch bei Hans Homburger seine Spuren. Im Jahre 1947 erkrankte er an Malaria, die nie richtig ausheilte. Erst um 1970 zog er schließlich nach La Paz zurück.</p>



<p>Dort hatte sein Vater den Delikatessenladen aus gesundheitlichen Gründen mittlerweile aufgeben müssen. Seit seiner Ankunft im April 1939 litt er sehr stark unter der ungewohnten Höhe der Stadt (3.600 Meter). Atemnot und Beklemmungszustände waren die Folge.</p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/emil-bianka-hans-und-betty-homburger-la-paz-min.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/emil-bianka-hans-und-betty-homburger-la-paz-min.jpg" alt="Emil, Bianka, Hans und Betty Homburger, La Paz 1974 (Foto: Privatbesitz Betty Homburger)" class="wp-image-1266" width="182" height="199" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/emil-bianka-hans-und-betty-homburger-la-paz-min.jpg 363w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/emil-bianka-hans-und-betty-homburger-la-paz-min-274x300.jpg 274w" sizes="auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Emil, Bianka, Hans und Betty
Homburger, La Paz 1974 (Foto:
Privatbesitz Betty Homburger)</figcaption></figure>



<p>Emil Homburger starb am 24. Dezember 1969. Seine Frau Bianka am 9. Juli 1980. Beide wurden<br>auf dem Jüdischen Friedhof von La Paz beigesetzt.</p>



<p>Hans Homburger zog später von La Paz nach Santa Cruz, einer Großstadt im südöstlichen Teil des Landes.</p>



<p>In der Nähe der Stadt besaß er ein kleines Anwesen und betrieb auch hier wieder Landwirtschaft mit Kühen und Pferden. Die Arbeit mit Tieren gab er bis ins hohe Alter nie auf.</p>



<p>Am 15. Juli 2005, kurz vor seinem 83sten Geburtstag, ist Hans Homburger gestorben. Sein Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Santa Cruz, Bolivien.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/grabstein-hans-simon-homburger-auf-juedischen-friedhof-santa-cruz-bolivien-min.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/grabstein-hans-simon-homburger-auf-juedischen-friedhof-santa-cruz-bolivien-min.jpg" alt="Grabstein für Hans Simon Homburger auf dem jüdischen Friedhof in Santa Cruz, Bolivien" class="wp-image-1268" width="485" height="600" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/grabstein-hans-simon-homburger-auf-juedischen-friedhof-santa-cruz-bolivien-min.jpg 646w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2022/12/grabstein-hans-simon-homburger-auf-juedischen-friedhof-santa-cruz-bolivien-min-242x300.jpg 242w" sizes="auto, (max-width: 485px) 100vw, 485px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Grabstein für Hans Simon Homburger auf dem jüdischen Friedhof in Santa
Cruz, Bolivien</figcaption></figure>



<p class="has-text-align-center"><strong>Edel sei der Mensch,<br>hilfreich und gut.<br>Das war sein Wahlspruch.</strong><br><em>(Inschrift auf dem Grabstein von Emil Homburger)</em><br></p>



<p class="has-text-align-center">Wir gedenken auch:<br>Herta Bauer, geb. Homburger<br>3. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet</p>



<p class="has-text-align-center">David Homburger<br>28. Juli 1942 Flucht in den Tod</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><strong><em>Autor: Uwe Ulrich</em></strong></p>



<p>&gt;&gt;&gt;&nbsp;Hier zu <a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil1-juedisches-leben-in-nauen/">Schicksal der Familie Homburger – Teil1 – Jüdisches Leben in Nauen</a></p>



<p>&gt;&gt;&gt; Hier zu <a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil2-wer-waren-die-homburgers/">Schicksal der Familie Homburger – Teil 2 – Wer waren die Homburgers</a></p>



<p>&gt;&gt;&gt;<a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil-3-das-unheil-nimmt-seinen-lauf/"> </a>Hier zu <a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil-3-das-unheil-nimmt-seinen-lauf/">Schicksal der Familie Homburger – Teil3 – Das Unheil nimmt seinen Lauf</a></p>



<p><strong>Quellennachweis:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Aus der Geschichte der Stadt Nauen, die ehemalige Jüdische Gemeinde von Ursula Arzbächer</li>



<li>Wie in einer Rumpelkammer, Erinnerungen 1923 – 2005 von Günther Mönke</li>



<li>Transnationale Spurensuche in den Anden, von geflüchteten Juden, „Altdeutschen“ und Nazis in</li>



<li>Bolivien von Juliana Ströbele-Gregor</li>



<li>Hotel Bolivia von Leo Spitzer</li>



<li>Und seh’n wir die Heimat nicht wieder – vom märkischen Nauen zum nördlichen Eismeer 1941 -1945</li>



<li>von Kurt Raschke</li>



<li>Das Landwerk Neuendorf: Berufsumschichtung – Hachschara -Zwangsarbeit von Harald Lordick</li>



<li>Nauener Heimatblätter, herausgegeben von den Nauener Heimatfreunden 1990 e.V.</li>



<li>In Nauen durch die Jahrhunderte von Martina al Diban</li>
</ul>



<p><strong>Für die freundliche Unterstützung bei der Recherche und für die Übergabe von Dokumenten,<br>Fotos und Informationen möchten wir uns bedanken bei:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam, Rep. 8 Stadt Nauen Nr. 101 und Rep. 36A</li>



<li>Oberfinanzpräsident Berlin-Brandenburg F648 (BLHA)</li>



<li>Niedersächsisches Landesarchiv Hannover, Nds. 110 W Acc. 8/90 Nr. 221/19 und Acc. 31/99 Nr.</li>



<li>210927 (NLA)</li>



<li>Landesarchiv Berlin</li>



<li>Kreis- und Verwaltungsarchiv des Landkreises Havelland, Herrn Uwe Siegfried</li>



<li>Magistrat der Stadt Gedern, insbesondere dem Stadtarchivar Herrn Erhard Müth</li>



<li>Geschichte hat Zukunft – Neuendorf im Sande e.V., Herrn Bernd Pickert</li>



<li>Stadt Nauen, insbes. dem Bürgermeister Herrn Manuel Meger und Herrn Christoph Artymiak</li>



<li>Goethe-Gymnasium Nauen, insbes. Herrn Wieland Breuer und Frau Uta Reichel sowie den</li>



<li>Schülerinnen und Schülern des Leistungskurs Geschichte Klasse 12</li>



<li>Frau Ursula Arzbächer, Nauen und Herrn Günther Mönke, St. Ingbert</li>



<li>Herrn Wolfgang Johl und Herrn Bodo Kalkowski, Nauen (Nauener Heimatfreunde 1990 e.V.)</li>



<li>Herrn Wolfgang Wiech, Nauen (Nauener Nachtwächter)</li>



<li>Frau Juliana Ströbele-Gregor, Berlin sowie Herrn und Frau Nölte, Nauen</li>



<li>Herrn Marco Strahlendorf, Wustermark und Herrn Axel Schröder, Nauen</li>



<li>Herrn Axel Huber, Singen und Herrn Andreas Freiberg, Berlin</li>



<li>Frau Karla Meyer/Berlin, Herrn Mario Oberling/Falkensee, Herrn Jim Harrison/Dallgow</li>



<li>Herrn Jörg Zander, Frau Isabel Llorens, Frau Katharina Schorsch, Frau Sylke Hannasky</li>



<li>Frau Dr. Dr. Luisa Callejón, Berlin (Luisa Callejón Sprachdienste)</li>
</ul>



<p>und bei allen anderen Freunden und Bekannten, die dieses Projekt ermöglicht haben.</p>



<p><em>Ganz besonderer Dank geht an die Tochter von Hans Homburger, Betty Homburger, für ihr<br>Vertrauen und ihre Bereitschaft, uns viele persönliche Dokumente und Informationen zur Verfügung<br>zu stellen.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nauen.eu/schicksal-der-familie-homburger-teil-4-die-flucht-nach-bolivien/">Schicksal der Familie Homburger – Teil 4 &#8211; Die Flucht nach Bolivien</a> erschien zuerst auf <a href="https://nauen.eu">Funkstadt Nauen</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Katastrophe in Nauen</title>
		<link>https://nauen.eu/die-katastrophe-in-nauen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 Jan 2021 17:59:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bauwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Ereignisse]]></category>
		<category><![CDATA[Nauen Ausführlich]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://nauen.eu/?p=949</guid>

					<description><![CDATA[<p>9. Teil aus der Reihe „Die Eisenbahn in und um Nauen Deutschland im April 1945. Die Schlacht um Berlin war in vollem Gange und der 2. Weltkrieg näherte sich seinem Ende. Zu diesem Zeitpunkt waren die Fernbahnhöfe im Berliner Stadtgebiet weitestgehend zerstört und kein Zug konnte die Reichshauptstadt mehr verlassen. Deshalb gewann der immer noch [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nauen.eu/die-katastrophe-in-nauen/">Die Katastrophe in Nauen</a> erschien zuerst auf <a href="https://nauen.eu">Funkstadt Nauen</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading">9. Teil aus der Reihe „Die Eisenbahn in und um Nauen</h3>



<p>Deutschland im April 1945. Die Schlacht um Berlin war in vollem Gange und der 2. Weltkrieg näherte sich seinem Ende. Zu diesem Zeitpunkt waren die Fernbahnhöfe im Berliner Stadtgebiet weitestgehend zerstört und kein Zug konnte die Reichshauptstadt mehr verlassen. Deshalb gewann der immer noch voll funktionsfähige Bahnhof Nauen als Eisenbahnknotenpunkt westlich Berlins strategisch stark an Bedeutung, was gleichzeitig sein Verhängnis wurde. Bei der letzten großen Angriffsserie von militärischer Bedeutung stand bei der 8. US Air Force neben den Verschiebebahnhöfen Wustermark und Seddin auch der Bahnhof Nauen auf der Abwurfliste.</p>



<span id="more-949"></span>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Wehrmachtsoldaten-auf-dem-Bahnhof-Nauen-vor-der-Zerstoerung.png"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Wehrmachtsoldaten-auf-dem-Bahnhof-Nauen-vor-der-Zerstoerung.png" alt="Wehrmachtsoldaten auf dem Bahnhof Nauen vor der Zerstörung" class="wp-image-955" width="205" height="140" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Wehrmachtsoldaten-auf-dem-Bahnhof-Nauen-vor-der-Zerstoerung.png 820w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Wehrmachtsoldaten-auf-dem-Bahnhof-Nauen-vor-der-Zerstoerung-300x205.png 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Wehrmachtsoldaten-auf-dem-Bahnhof-Nauen-vor-der-Zerstoerung-768x524.png 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Wehrmachtsoldaten-auf-dem-Bahnhof-Nauen-vor-der-Zerstoerung-395x270.png 395w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Wehrmachtsoldaten auf dem Bahnhof Nauen vor der Zerstörung</figcaption></figure></div>


<p>Die Nauener waren bis dahin noch glimpflich davongekommen, denn die Luftangriffe richteten sich hauptsächlich auf das nahe Berlin. Als am 20.04.1945 kurz vor 10.00 Uhr vormittags wieder die Sirenen heulten, gingen die Einwohner mit diesen Gedanken erneut in die Keller. Ein Trugschluss!</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-large is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Junge-Maenner-des-RAD-vor-dem-Empfangsgebaeude-im-Hintergrund-die-Gartenanlage-vor-dem-Bahnhof.png"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Junge-Maenner-des-RAD-vor-dem-Empfangsgebaeude-im-Hintergrund-die-Gartenanlage-vor-dem-Bahnhof.png" alt="Junge Männer des RAD vor dem Empfangsgebäude - im Hintergrund die Gartenanlage vor dem Bahnhof" class="wp-image-960" width="205" height="137" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Junge-Maenner-des-RAD-vor-dem-Empfangsgebaeude-im-Hintergrund-die-Gartenanlage-vor-dem-Bahnhof.png 820w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Junge-Maenner-des-RAD-vor-dem-Empfangsgebaeude-im-Hintergrund-die-Gartenanlage-vor-dem-Bahnhof-300x200.png 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Junge-Maenner-des-RAD-vor-dem-Empfangsgebaeude-im-Hintergrund-die-Gartenanlage-vor-dem-Bahnhof-768x511.png 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Junge-Maenner-des-RAD-vor-dem-Empfangsgebaeude-im-Hintergrund-die-Gartenanlage-vor-dem-Bahnhof-405x270.png 405w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Junge Männer des RAD vor dem Empfangsgebäude &#8211; im Hintergrund die Gartenanlage vor dem Bahnhof</figcaption></figure></div>


<p>Zum Zeitpunkt des Angriffs warteten Zivilisten und Wehrmachtsangehörige auf den Bahnsteigen auf ihren Zug, andere Reisende hielten sich in den Wartesälen oder der Bahnhofsgaststätte auf. Sowohl auf den oberen Ferngleisen als auch auf den unteren Gleisen des Ketziner Bahnhofs standen Güterzüge, beladen mit Kriegsmaterial wie z. Bsp. technische Ausrüstungen und ein Fernmeldezug der Wehrmacht. Munitionszüge waren jedoch nicht auf den Gleisen. Auf dem Güterbahnhof befand sich ein kleines Lager für Kriegsgefangene, die beim Be- und Entladen der Waggons helfen mussten.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoerte-Anlagen-am-Gaswerk-1945.png"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoerte-Anlagen-am-Gaswerk-1945.png" alt="Zerstörte Anlagen am Gaswerk Nauen 1945" class="wp-image-956" width="155" height="99" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoerte-Anlagen-am-Gaswerk-1945.png 620w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoerte-Anlagen-am-Gaswerk-1945-300x191.png 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoerte-Anlagen-am-Gaswerk-1945-424x270.png 424w" sizes="auto, (max-width: 155px) 100vw, 155px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Zerstörte Anlagen am Gaswerk Nauen 1945</figcaption></figure></div>


<p>Beim Auslösen des Fliegeralarms suchten die Menschen Schutz in abgedeckten Splittergräben, die sich in dem südlich vom Bahnhofsgebäude liegenden kleinen Park und einer Gartenanlage (später Busbahnhof/ heute Parkplatz) befanden. Bedienstete der Reichsbahn und Arbeiter des Gaswerks flüchteten in Richtung Graf-Arco-Straße.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-large is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoertes-Empfangsgebaeude-1945.png"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoertes-Empfangsgebaeude-1945.png" alt="Zerstörtes Empfangsgebäude am Bahnhof Nauen 1945" class="wp-image-958" width="205" height="138" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoertes-Empfangsgebaeude-1945.png 820w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoertes-Empfangsgebaeude-1945-300x202.png 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoertes-Empfangsgebaeude-1945-768x517.png 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoertes-Empfangsgebaeude-1945-401x270.png 401w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Zerstörtes Empfangsgebäude am Bahnhof Nauen 1945</figcaption></figure></div>


<p>Der ca. einstündige Angriff erfolgte in zwei aufeinanderfolgenden Wellen und verwüstete das Gebiet zwischen Waldemarstraße und Schlangenhorstweg. Auch das Schützenhaus an der Ecke Ludwig-Jahn-Straße und Häuser im Birkenweg in der Stadtrandsiedlung erhielten Treffer. Das Staatsbahnhofsgebäude und ein Stellwerk wurden sehr stark in Mitleidenschaft gezogen und die Gleisanlagen auf der Berlin-Hamburger Strecke waren so stark beschädigt, daß der Zugverkehr nun auch ab Nauen eingestellt werden musste. Der Ketziner Bahnhof wurde total von Bomben umgepflügt. Hier sah man nur noch Trümmerhaufen aus Schienen und Waggons, die in die Höhe ragten.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoerter-Ketziner-Bahnhof-1945.png"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoerter-Ketziner-Bahnhof-1945.png" alt="Zerstörter Ketziner Bahnhof in Nauen 1945" class="wp-image-957" width="205" height="138" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoerter-Ketziner-Bahnhof-1945.png 820w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoerter-Ketziner-Bahnhof-1945-300x202.png 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoerter-Ketziner-Bahnhof-1945-768x518.png 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoerter-Ketziner-Bahnhof-1945-400x270.png 400w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Zerstörter Ketziner Bahnhof in Nauen 1945</figcaption></figure></div>


<p>Auch die umliegenden Betriebe wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Neben dem Gaswerk wurden auch die <strong><em>Märkischen Elektrizitätswerke (MEW)</em></strong> von Bomben getroffen. Hier kamen Arbeiter, die im Keller Schutz gesucht hatten, im auslaufenden Trafoöl ums Leben. Die <strong><em>Seifenfabrik Hahn</em></strong> dagegen kam mit dem Schrecken davon, denn die 5-Zentner-Bomber, die hier lag, explodierte nicht und konnte als Blindgänger nach dem Angriff entschärft werden.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-large is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoertes-Empfangsgebaeude-1945.png"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoertes-Empfangsgebaeude-1945.png" alt="Zerstörtes Empfangsgebäude am Bahnhof Nauen 1945" class="wp-image-958" width="205" height="138" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoertes-Empfangsgebaeude-1945.png 820w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoertes-Empfangsgebaeude-1945-300x202.png 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoertes-Empfangsgebaeude-1945-768x517.png 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Zerstoertes-Empfangsgebaeude-1945-401x270.png 401w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Zerstörtes Empfangsgebäude am Bahnhof Nauen 1945</figcaption></figure></div>


<p>Die Reisenden, die in den Splittergräben vor dem Bahnhofsgebäude Schutz gesucht hatten, wurden von den Bomben bis zur Unkenntlichkeit zerrissen. Sie hatten keine Chance. Aber auch die Keller der umliegenden Wohnhäuser waren nicht ausreichend gesichert, daß sie einem derartigen Bombardement standhalten konnten. Die damals verwendeten Bomben hatten eine enorme Sprengkraft. Die Druckwelle deckte noch 100 Meter vom Explosionsherd entfernt Dächer in der Stadtrandsiedlung ab. Auch in den Kellern der Altstadt waren die Erschütterungen deutlich zu spüren. Bis heute werden entlang des Bahndamms immer wieder Blindgänger von damals gefunden. Die letzte kontrollierte Sprengung einer 250-kg-Weltkriegsbombe war erst im Juni 2018.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Kriegsgraeberstaette-Nauen.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Kriegsgraeberstaette-Nauen.jpg" alt="Kriegsgräberstätte Nauen" class="wp-image-954" width="113" height="150" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Kriegsgraeberstaette-Nauen.jpg 225w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2021/01/Kriegsgraeberstaette-Nauen-203x270.jpg 203w" sizes="auto, (max-width: 113px) 100vw, 113px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Kriegsgräberstätte Nauen</figcaption></figure></div>


<p>Die exakte Anzahl der Bombenopfer lässt sich bis heute schwer feststellen, waren doch zum Zeitpunkt des Angriffs auch viele Flüchtlinge im Bahnhof, deren Namen unbekannt blieben. Anfangs ging man von 60 bis 70 Toten aus. Erst im Jahre 1994/1995 wurden 79 Tote als bekannt und nachweisbar erfasst. Sie waren das traurige Resultat dieses Luftangriffs, der Nauen noch kurz vor Kriegsende heimsuchte. Zu ihrem Gedenken wurden auf dem Städtischen Friedhof Gedenksteine aufgestellt. Auch an die Opfer des sogenannten <strong><em>Verlorenen Zuges</em></strong>, der auf seiner Irrfahrt vom KZ Bergen-Belsen ins KZ Theresienstadt noch am 17.04.1945 den Bahnhof Nauen passierte, soll an dieser Stelle erinnert werden.</p>



<p>Autor: Uwe Ulrich</p>



<p><strong><a href="https://nauen.eu/der-neubeginn-und-kleinbahntod-in-nauen/">Hier zum 10. Teil &#8211; Der Neubeginn und Kleinbahntod in Nauen</a></strong></p>



<p><strong><a href="https://nauen.eu/die-eisenbahn-in-und-um-nauen/">Hier zum 1. Teil &#8211; Die Eisenbahn in und um Nauen</a></strong></p>



<p><strong><a href="https://nauen.eu/der-ursprungs-bahnhof-in-nauen/">Hier zum 2. Teil &#8211; Der Ursprungs-Bahnhof</a></strong></p>



<p><a href="https://nauen.eu/die-kleinbahnen/"><strong>Hier zum 3. Teil &#8211; Die Kleinbahnen</strong></a></p>



<p><a href="https://nauen.eu/von-nauen-nach-velten-mit-der-toepferbahn/"><strong>Hier zum 4. Teil &#8211; Von Nauen nach Velten mit der Töpferbahn</strong></a></p>



<p><a href="https://nauen.eu/nauen-wildpark-umgehungsbahn/"><strong>Hier zum 5. Teil &#8211; Nauen &#8211; Wildpark &#8211; Umgehungsbahn</strong></a></p>



<p><a href="https://nauen.eu/nauen-oranienburg-noerdliche-umgehungsbahn/"><strong>Hier zum 6. Teil &#8211; Nauen &#8211; Oranienburg &#8211; nördliche Umgehungsbahn</strong></a></p>



<p><strong><a href="https://nauen.eu/mit-der-stillen-pauline-von-nauen-nach-rathenow/">Hier zum 7. Teil &#8211; Mit der stillen Pauline von Nauen nach Rathenow</a></strong></p>



<p><a href="https://nauen.eu/der-grosse-umbau-vom-bahnhof-nauen/"><strong>Hier zum 8. Teil &#8211; Der große Umbau vom Bahnhof Nauen</strong></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nauen.eu/die-katastrophe-in-nauen/">Die Katastrophe in Nauen</a> erschien zuerst auf <a href="https://nauen.eu">Funkstadt Nauen</a>.</p>
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		<title>Die Eisenbahn in und um Nauen</title>
		<link>https://nauen.eu/die-eisenbahn-in-und-um-nauen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Nov 2020 05:00:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ereignisse]]></category>
		<category><![CDATA[Nauen Ausführlich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Teil 1 unserer Reihe zur Entwicklung des Bahnverkehrs in Nauen Als Nauen im Jahr 1826 zur Kreisstadt des 10 Jahre zuvor neu gebildeten Kreises Osthavelland ernannt wurde, erwachte die kleine Ackerbürgerstadt aus ihrem Dornröschenschlaf. Obwohl ihr schon im Jahre 1292 das Stadtrecht verliehen wurde und sie strategisch günstig am einzigen Übergang durch das Havelländische Luch [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading">Teil 1 unserer Reihe zur Entwicklung des Bahnverkehrs in Nauen</h3>



<p>Als Nauen im Jahr 1826 zur Kreisstadt des 10 Jahre zuvor neu gebildeten Kreises Osthavelland ernannt wurde, erwachte die kleine Ackerbürgerstadt aus ihrem Dornröschenschlaf. Obwohl ihr schon im Jahre 1292 das Stadtrecht verliehen wurde und sie strategisch günstig am einzigen Übergang durch das Havelländische Luch lag, führten die bedeutenden Heer- und Postwege Berlin-Fehrbellin-Hamburg und Berlin-Brandenburg-Magdeburg an Nauen weiträumig vorbei. Das änderte sich nun schlagartig!</p>



<span id="more-837"></span>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Berlin_Hamburger-Bahnhof_um_1850.png"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Berlin_Hamburger-Bahnhof_um_1850.png" alt="Berlin Hamburger-Bahnhof um 1850 - Eisenbahn in Nauen" class="wp-image-846" width="200" height="137" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Berlin_Hamburger-Bahnhof_um_1850.png 800w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Berlin_Hamburger-Bahnhof_um_1850-300x205.png 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Berlin_Hamburger-Bahnhof_um_1850-768x524.png 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Berlin_Hamburger-Bahnhof_um_1850-396x270.png 396w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Berlin Hamburger-Bahnhof um 1850</figcaption></figure></div>


<p>Bereits im Jahre 1830 wurde die neue Chaussee Berlin – Nauen – Hamburg fertiggestellt, wodurch eine lebhafte Bautätigkeit in der Stadt begann. Dieser Aufschwung fiel idealerweise genau in das neue Eisenbahnzeitalter. Bereits 1836 unterstützen Berliner und Hamburger Industrie- und Handelskreise sowie der deutsche Eisenbahnpionier <strong><em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_List" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Friedrich List</a></em></strong> eine Streckenverbindung zwischen beiden Städten, die damals allerdings über Hoheitsgebiete von 5 eigenständigen Ländern führen sollte. &nbsp;Am 08.11.1841 war es dann aber soweit. Vertreter der Freien und Hansestadt Hamburg, der dem dänischen König unterstehenden <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Herzogtum_Holstein">Herzogtümer Holstein</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Herzogtum_Sachsen-Lauenburg">Lauenburg</a>, des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mecklenburg-Schwerin">Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin</a>, des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigreich_Preu%C3%9Fen">Königreichs Preußen</a> sowie der Freien Hansestadt Lübeck als Miteigentümerin (neben Hamburg) von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Bergedorfs#Neuzeit">Bergedorf</a> unterschrieben einen entsprechenden Staatsvertrag.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-large is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Streckenfuehrung_Berlin-Hamburg_-1846.png"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Streckenfuehrung_Berlin-Hamburg_-1846.png" alt="Streckenführung Berlin-Hamburg 1846 - Eisenbahn in Nauen" class="wp-image-845" width="200" height="108" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Streckenfuehrung_Berlin-Hamburg_-1846.png 800w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Streckenfuehrung_Berlin-Hamburg_-1846-300x162.png 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Streckenfuehrung_Berlin-Hamburg_-1846-768x416.png 768w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Streckenfuehrung_Berlin-Hamburg_-1846-499x270.png 499w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Streckenführung Berlin-Hamburg 1846</figcaption></figure></div>


<p>Die Strecke wurde ab dem 6. Mai 1844 von der <strong><em>Berlin-Hamburger Eisenbahn-Gesellschaft</em></strong> erbaut. Am 15. Oktober 1846 erfolgte die Eröffnung der Teilstrecke Berlin – Boizenburg und zwei Monate später war die gesamte Strecke von <strong><em>Berlin Hamburger Bahnhof</em></strong> (ab 1884 <strong><em>Lehrter Bahnhof</em></strong>) bis nach <strong><em>Hamburg Berliner Bahnhof</em></strong> (ab 1906 <strong><em>Hamburg Hauptbahnhof</em></strong>) mit einer Gesamtlänge von damals 292,6 km durchgängig befahrbar. Sie war damals die längste Fernbahnstrecke in den deutschen Ländern.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Borsig-Lokomotive.png"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Borsig-Lokomotive.png" alt="Borsig Lokomotive - Eisenbahn in Nauen" class="wp-image-841" width="236" height="144" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Borsig-Lokomotive.png 315w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Borsig-Lokomotive-300x183.png 300w" sizes="auto, (max-width: 236px) 100vw, 236px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Borsig Lokomotive</figcaption></figure></div>


<p>Die erste Fahrt von Berlin nach Hamburg dauerte über neun Stunden. Die Lokomotiven <em>Hansa</em>, <em>Concordia</em>, <em>Vorwärts</em>, <em>Germania</em> und <em>Amazone</em> zogen die Güterwagen und die insgesamt 33&nbsp;Personenwagen der kombinierten ersten und zweiten Klasse sowie 43 Wagen der dritten Klasse. Es gab auch einen Wagen für „höchste Personen“, den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_II._(Deutsches_Reich)" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kaiser Wilhelm II.</a> oft erst in Nauen bestieg, um seine Reisen in den Norden des Reiches möglichst geheim zu halten.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-large is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Hamburg_Berliner-Bahnhof_Bahnhofshalle_um_1870.png"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Hamburg_Berliner-Bahnhof_Bahnhofshalle_um_1870.png" alt="Hamburg Berliner-Bahnhof Bahnhofshalle um 1870 - Eisenbahn in Nauen" class="wp-image-842" width="175" height="130" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Hamburg_Berliner-Bahnhof_Bahnhofshalle_um_1870.png 700w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Hamburg_Berliner-Bahnhof_Bahnhofshalle_um_1870-300x223.png 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Hamburg_Berliner-Bahnhof_Bahnhofshalle_um_1870-363x270.png 363w" sizes="auto, (max-width: 175px) 100vw, 175px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Hamburg Berliner-Bahnhof Bahnhofshalle um 1870</figcaption></figure></div>


<p>Ursprünglich war geplant, daß auch die sogenannte <strong><em>Lehrter Bahn</em></strong> von Berlin über Wustermark und Stendal nach Hannover auch über Nauen führen sollte. Die Bedingung war, daß die Stadt Bauland zur Verfügung stellen und sich an den Baukosten beteiligen sollte. Der Bahnhof sollte ca. 500 Meter außerhalb der Stadt am Tremmener Landweg gebaut werden. Dieser zweite Bahnhof war den Stadtvätern wohl dann doch zu heiß und so scheiterte dieses Vorhaben.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Hamburg_Berliner-Bahnhof_um_1870.png"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Hamburg_Berliner-Bahnhof_um_1870.png" alt="Hamburg Berliner-Bahnhof um 1870 - Eisenbahn in Nauen" class="wp-image-843" width="175" height="157" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Hamburg_Berliner-Bahnhof_um_1870.png 700w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Hamburg_Berliner-Bahnhof_um_1870-300x269.png 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/Hamburg_Berliner-Bahnhof_um_1870-301x270.png 301w" sizes="auto, (max-width: 175px) 100vw, 175px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Hamburg Berliner-Bahnhof um 1870</figcaption></figure></div>


<p>Ab 1884 erfolgte schrittweise die Verstaatlichung der Berlin-Hamburger Eisenbahn-Gesellschaft. Am 01.04.1885 wurde die gesamte Strecke von der <strong><em>Königlich Preußischen Eisenbahnverwaltung (KPEV)</em></strong> der <strong><em>Königlichen Eisenbahndirektionsbezirk zu Altona</em></strong> (<strong><em>KED) </em></strong>unterstellt. Der Bahnhof Nauen war nunmehr Eigentum der Preußischen Staatseisenbahn und durfte sich ab jetzt Staatsbahnhof nennen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eisenbahn in Nauen</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-large is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/KPEV-Logo_-Gepaeckwagen.png"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/KPEV-Logo_-Gepaeckwagen.png" alt="KPEV-Logo Gepäckwagen - Eisenbahn in Nauen" class="wp-image-844" width="149" height="200" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/KPEV-Logo_-Gepaeckwagen.png 597w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/KPEV-Logo_-Gepaeckwagen-224x300.png 224w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/11/KPEV-Logo_-Gepaeckwagen-201x270.png 201w" sizes="auto, (max-width: 149px) 100vw, 149px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">KPEV-Logo Gepäckwagen</figcaption></figure></div>


<p>Nauen hatte schon immer sehr engagierte Bürger und Ratsmitglieder, wie z.Bsp. den Ratsherrn und Zigarrenfabrikanten <em>Ringewaldt</em>. Auf seine Anregung konnte der Verein für städtische Interessen durch Verhandlungen erreichen, dass Nauen ab 1891 in den <strong><em>Berliner Vorortverkehr</em></strong> einbezogen wurde. Durch diese Maßnahme rückte die Stadt näher in den Berliner Einflussbereich und wurde schließlich ab 1895 der <strong><em>Königlichen Eisenbahndirektion Berlin</em></strong> zugeordnet. Seitdem liegt westlich von Nauen bis heute die Direktionsbezirksgrenze.</p>



<p>Autor: Uwe Ulrich</p>



<p><strong><a href="https://nauen.eu/der-ursprungs-bahnhof-in-nauen/">Hier zum 2. Teil &#8211; Der Ursprungs-Bahnhof von Nauen</a></strong></p>
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		<title>Flucht aus der DDR &#8211; Spieler des BSG Einheit Nauen nutzen Freundschaftsspiel zur Flucht</title>
		<link>https://nauen.eu/flucht-aus-nauen-in-den-westen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Apr 2020 17:05:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ereignisse]]></category>
		<category><![CDATA[Nauen Ausführlich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kurz vor der Wende war es schwer als Normalsterbliche mal eben außer der Reihe in den Westen zu reisen und schon gar nicht im Spätsommer 1989 als die DDR schon am Boden lag. Doch es gab für ein paar Nauener die unverhoffte Gelegenheit und prompt ging es schief. Zwei Spieler der BSG Einheit Nauen nutzten [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Kurz vor der Wende war es schwer als Normalsterbliche mal eben außer der Reihe in den Westen zu reisen und schon gar nicht im Spätsommer 1989 als die DDR schon am Boden lag. Doch es gab für ein paar Nauener die unverhoffte Gelegenheit und prompt ging es schief. Zwei Spieler der BSG Einheit Nauen nutzten die Gelegenheit zur Flucht aus der DDR.</p>



<span id="more-693"></span>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-large is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/04/Stadionheft_Spandau_gegen_Nauen_1989.pdf"><img decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/04/Stadionheft_Spandau_gegen_Nauen_1989-Titel.jpg" alt="Stadionheft Spandau gegen Nauen 1989" class="wp-image-698" height="400" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/04/Stadionheft_Spandau_gegen_Nauen_1989-Titel.jpg 557w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/04/Stadionheft_Spandau_gegen_Nauen_1989-Titel-209x300.jpg 209w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/04/Stadionheft_Spandau_gegen_Nauen_1989-Titel-188x270.jpg 188w" sizes="(max-width: 557px) 100vw, 557px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Programmheft zum Download</figcaption></figure></div>


<p>Am 23. September 1989 hatte Norbert Segebarth, SED-Parteisektretär im Nauener Verkehrsbetrieb, 17 Fußballer und drei Funktionäre der BSG Einheit Nauen, in die Havelstadt Spandau kutschiert.</p>



<p>Doch als die Nauener Delegation nach Ihrer 4:1 Niederlage gegen eine Spandauer Auswahl um ca. 20:00 Uhr den Rückweg antreten musste, waren zwei Sportler der Nauener Mannschaft verschwunden: Mannschaftskapitän Holger Friedrich aus Nauen und Fußballer Volker Tiede aus Brieselang.</p>



<p>„Es verbreitete sich schnell das Gerücht, dass diese zwei Spieler mit Spielern aus Spandau einen Kurzbesuch des Kurfürstendamms unternommen hätten“, berichtete Delegationsleiter Waldemar Schorr, „dies veranlasste uns, die Entscheidung zu treffen, die Abfahrt um ca. 35 Minuten hinauszuzögern. Da hat sich eine gewisse Unruhe und Betroffenheit in der Mannschaft bemerkbar gemacht.“</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/04/Stadtauswahl-Nauen.jpg"><img decoding="async" src="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/04/Stadtauswahl-Nauen.jpg" alt="Stadtauswahl Spandau gegen Stadtauswahl Nauen 1989" class="wp-image-697" width="300" srcset="https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/04/Stadtauswahl-Nauen.jpg 750w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/04/Stadtauswahl-Nauen-300x225.jpg 300w, https://nauen.eu/wp-content/uploads/2020/04/Stadtauswahl-Nauen-360x270.jpg 360w" sizes="(max-width: 750px) 100vw, 750px" /></a></figure></div>


<p>Zwei Tage später erklärte Nauens damaliger Bürgermeister Kuhn warnend: „Ich möchte mit Nachdruck erklären, dass sich die kommunalen Kontakte mit Spandau nur dann gedeihlich weiterentwickeln können, wenn die Spandauer Seite beim Empfang von Delegationen die Sicherheit Ihrer Gäste aus der DDR strikt gewährleistet.</p>



<p>Doch der beginnende Aufbruch in der DDR verhinderte den erwogenen Abbruch des Sportaustausches. Am 14. Oktober 1989 kam die Spandauer Stadtauswahl zum Rückspiel nach Nauen.</p>



<p>Die Spieler der BSG Einheit Nauen, Holger Friedrich und Volker Tiede sind bis nach dem Mauerfall im Westen verblieben und hatte somit erfolgreich das Freundschaftsspiel zur Flucht aus der DDR genutzt.</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Originalbericht einer Flucht aus der DDR</h2>



<p>Als die Nauener Fußballer am 2. September 1989 zum Wettkampf nach Spandau fuhren, erstattete Waldemar Schorr Bericht. Er war damals „Vorsitzender des Kreisvorstands des Deutschen Turn-und Sportbunds (DTSB) der DDR&#8220;. Das SPANDAUER VOLKSBLATT bringt einen Auszug. Die Szene:<br>Die Nauener Delegation trifft sich mit den Spandauern zum Abschiedsessen. „In Absprache mit dem Gastgeber, Herrn Salomon, wurde gegen 20 Uhr Übereinstimmung zum Abschluss des Banketts getroffen. Dies entsprach der protokollarischen Festlegung des Programms. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keinerlei Veranlassung, Sorge darüber zu empfinden, dass nicht das gesamte Kollektiv die Heimreise antritt. Nach der Aufforderung, den bereitstehenden Bus zu besteigen und das Reisegepäck zu fassen (aus der bis dahin verschlossenen Kabine), wurde festgestellt, dass zwei Reisetaschen in der Kabine standen. Nach der Durchsicht im Bus über die Anwesenheit stellte sich heraus, dass die Spieler Holger Friedrich (Mannschaftskapitän), wohnhaft: Nauen, (&#8230;) und Volker Tiede, wohnhaft: Briese-lang (&#8230;), nicht anwesend waren. Das nochmalige Durchsuchen der Umgebung durch uns war erfolglos. Der zur Verabschiedung anwesende Gastgeber, Herr Salomon. mit einer Reihe von Abgeordneten und Sportfunktionären, nahm von der Abwesenheit der beiden Sportler Kenntnis. Bei allen Anwesenden wurde Betroffenheit und Unverständnis sichtbar. Es verbreitete sich das Gerücht, dass diese zwei Spieler mit Spielern aus Spandau einen Kurzbesuch des Kurfürstendamms unternommen hätten. Dies veranlasste uns, die Entscheidung zu treffen, die Abfahrt um ca. 35 Minuten hinauszuzögern. Da hat sich eine gewisse Unruhe und Betroffenheit in der Mannschaft bemerkbar gemacht, und da am Bus auch weitere Bürger aus Westberlin sich anfanden, haben wir uns dazu entschlossen, die Abreise vorzunehmen. Herr Salomon und der Leiter seines Sportbüros gaben uns die Versicherung, dass, falls beide Sportler eintreffen, sie mit dem Pkw zur Grenze nachgeführt werden. Im Falle einer anderen Information über den Verbleib würde Herr Salomon sich direkt an den Bürgermeister von Nauen, Herrn Kuhn, wenden.</p>



<figure class="wp-block-embed alignright is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="Flucht aus Nauen in den Westen" width="676" height="380" src="https://www.youtube.com/embed/YVq7rxU9IPs?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<p>Beim Grenzübergang haben wir sofort die Grenz- und Sicherheitsorgane in Kenntnis gesetzt. Nach Ankunft in Nauen informierten wir den 1. Sekretär der Kreisleitung der SED, den Diensthabenden des DTSB-Bundesvorstandes in Berlin und den Bürgermeister der Stadt Nauen. Zusammenfassend schätzen wir ein, dass die Massenmedien (Fernsehen RIAS-TV und SFB) in ihrer gesamten Fragestellung und journalistischen Anlage einen provozierenden Charakter hatten. Das bezog sich auf a) die Ausreisewelle über Ungarn und mehr Freiheiten in der DDR, b) über unbürokratische Sportver-bindungen, c) Reaktion auf das Konsumangebot in den Schaufenstern der Geschäfte in Spandau. Diese Medienbelagerung entsprach nicht den vorher mit Herrn Salomon vereinbarten Protokollfragen. (&#8230;) Durch den Gastgeber wurden alle vorher besprochenen Programmpunkte eingehalten, und das Klima trug dazu bei, dass das Bemühen bestand, diese Veranstaltung erfolgreich abzuschließen. Die geführten Tischgespräche fanden in einer offenen und freimütigen Atmosphäre statt. Die Linienführung der Gastgeber (Spieler von Spandau) bei diesen Gesprächen war von der Hetze der westlichen Massenmedien geprägt.: — Vergleich Lebensniveau DDR—BRD—Berlin-West — Reisefreiheit — Fluchtwelle über Ungarn — Reformforderungen in der DDR.(. . .)&#8220;</p>
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		<title>Nauen und die Plünderungen der Raubritter im 15. Jahrhundert</title>
		<link>https://nauen.eu/nauen-und-die-pluenderungen-der-raubritter-im-15-jahrhundert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 29 Feb 2020 13:20:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ereignisse]]></category>
		<category><![CDATA[Nauen Ausführlich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Mark Brandenburg war im 14./15. Jahrhundert, der Spielball kleinlicher Hausmachtkämpfe deutscher Fürsten. Es gab keine Gemeinheit, der sich die damaligen Besitzer Brandenburgs nicht bedient hätten. Elende Händel, Erbschleichereien, Verpfändungen ganzer Landesteile und Hochzeiten sowie Totschlag soeben angetrauter Ehegatten um der Erweiterung der Hausmacht willen waren an der Tagesordnung. Zur Demonstration seien nur einige Beispiele [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Die Mark Brandenburg war im 14./15. Jahrhundert, der Spielball kleinlicher Hausmachtkämpfe deutscher Fürsten. Es gab keine Gemeinheit, der sich die damaligen Besitzer Brandenburgs nicht bedient hätten. Elende Händel, Erbschleichereien, Verpfändungen ganzer Landesteile und Hochzeiten sowie Totschlag soeben angetrauter Ehegatten um der Erweiterung der Hausmacht willen waren an der Tagesordnung.</p>



<span id="more-670"></span>



<p>Zur Demonstration seien nur einige Beispiele angeführt:<br>Kaiser Karl IV hatte die Macht von dem bayrischen Markgrafen Otto dem Faulen abgekauft. Nach seinem Tode 1378 erhielt Karls 10jähriger Sohn Siegismund die Mark Brandenburg. Während seiner Regierungszeit ließ sich Siegismund allerdings nur einmal in diesem Lande sehen. Bereits im Jahre 1388 übergab Siegismund zur Tilgung seiner Schulden, die er wegen der Bereinigung eines Ehekrachs in Ungarn bei Markgraf Jobst von Mähren machte, die Mark an Jobst für 565.263 Gulden. Jobst machte es nicht besser. Er verkaufte oder verpfändete ganze Städte und Schlösser der Mark nach Belieben.<br>Mit der Wahl Siegismunds zum König im Jahre 1411 wechselte erneut die Herrschaft über die Mark. Er erbte Brandenburg von Jobst nach dessen Tode und setzte den Burggrafen Friedrich von Nürnberg als Vertreter ein, der nun seinerseits um die Gunst der brandenburgischen Städte buhlte. Nauen gehörte zu den ersten märkischen Städten, die diesem Nürnberger Burggrafen (übrigens der erste Hohenzoller) huldigte. Die Bevölkerung der Mark litt jedoch nicht nur unter diesen ständigen Machtkämpfen der Landesfürsten. Auf ihrem Rücken wurde auch die Auseinandersetzung zwischen dem Landesherren und den Rittern ausgetragen. Die Letzteren zogen plündernd und brennend durch das Land. Die Kurfürsten sahen darin die Gefahr einer Schmälerung ihrer Einnahmen und glaubten, dass die dauernde Beunruhigung des Landes durch die Ritter zu Schwierigkeiten bei der Eintreibung der feudalen Renten führen könnte. So waren im 14. und 15. Jahrhundert ständige Fehden zwischen abgewirtschafteten Rittern und den Landesherren auf der einen Seite sowie den Städten, deren Reichtum die Ritter vor Neid erblassen ließ, auf der anderen Seite auf der Tagesordnung. In Deutschland sprach man damals: &#8222;Ist einer ungefährdet durch ganz Deutschland gereist, so kommt er doch nicht ungeraubt aus der Mark.&#8220; Und die Bevölkerung der Mark Brandenburg betete:&#8220; Vor Köckeritze und Lüderitze, vor Krachten und vor Itzenplitze behüte uns lieber Herre Gott.&#8220;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Brüder Quitzow brachten Unheil übers Land</strong></h2>



<p>Besonders unrühmlich benahmen sich dabei die Quitzows. Peter Hafftiz schreibt darüber in seinem Microconicum Marchicum: je näher man der Mark gekommen, je sorglicher und gefährlicher es zu reisen, handeln und wandeln ist gewesen. Die Fremden wurden von den Adeligen und auf offener Straße beraubet und geschädigt. Auch die Landeseinwohner wurden nicht verschonet, dieselbigen geschlagen, verwundet, getötet, gefänglich weggeführt, gestäubt, gepflöckt, beschützt und so übel mit ihnen gebahret, dass schier ein Bürger nicht hat sicher fürs Thor spazieren gehen, heben die Städtischen in der Ernte an ihrer Arbeit verhindert, davon gejagt, das Getreide zunichte gemacht, das Rindvieh und Schweine vor den Thoren geraubt und weggetrieben.&#8220; Über die Ouitzows selbst erfahren wir in einem Bericht von Wilhelm Pfeiffer folgendes: &#8222;Dietrich von Ouitzow und sein Bruder Hans waren echte Raubritter. Ritten die beiden, von Kopf zu Fuß in Stahl und eisen gekleidet, aus dem Schlosstor, so geschah&#8217;s immer manch einem zuleide. Die Herren saßen zu Friesack und Plaue im Havelland auf festen Burgen, füllten die ganze Mark Brandenburg mit Fehde, Raub und Brand. Fuhren Kaufleute mit Wagen voll Gütern des Weges, so sprangen die Herren mit ihren Knechten aus dem Busch, wo sie gelauert hatten, hielten die Speere vor und forderten eine Abgabe, die der —ehrlose seufzend reichte. Weigerte sich einer der Schatzung, so warfen sie ihn nieder, banden ihn und führten ihn und sein Gut auf ihr Schloss; dort setzten sie den Kaufherren in den Turm, wo er bei Wasser und Brot schmachtete, bis die Seinen ein hohes Lösegeld entrichtet hatten. Waren ihnen einmal die Bürger einer kleinen Stadt nicht zu Willen gewesen, so legten sie sich mit ihrem Volk vor die Mauern, berannten die Tore, und wehe den Armen, wenn sie Eintritt erzwangen. Fand sich aber Zeit und Stunde, so fielen sie den Städtern in die Feldflur, trieben die Herden weg und legten die Dörfer in Schutt und Asche.&#8220;</p>



<h3 class="wp-block-heading">Nauen im Städtebündnis gegen Raubritter</h3>



<p>Gegen diese raubenden Banditen schlossen an 9. Juni 1390 nachfolgende Städte Brandenburgs ein Städtebündnis: Alte und Neue Stadt Brandenburg, Berlin, Kölln, Frankfurt an der Oder, Eberswalde, Bernau, Spandau, Potsdam, Fürstenwalde, Neustadt, Wrietzen, Nauen. Die beteiligten Städte verpflichteten sich zu gegenseitigem Beistand und stellten Soldaten für eine gemeinsame Streitkraft. Die Stadt Nauen hatte in diesem Städtebündnis gegen die Raubritter 3 Gewappnete und 2 Schützen zu stellen. Aber auch dieses Städtebündnis half den Nauenern gegen die Raubritter wenig. Als der Burggraf Friedrich von Nürnberg im Jahre 1415 mit großem Gefolge zu einem Konzil nach Konstanz berufen wurde, benutzte Dietrich von Ouitzow diese Gelegenheit zu neuen Raubzüger ins Havelland. Im &#8222;Stadtführer von Nauen&#8220; aus dem Jahre 1932 wird dieser Raubzug wie folgt beschrieben:</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Quitzow legte Nauen in Schutt und Asche</strong></h4>



<p>&#8222;Am 16. August 1415 erreichte Quitzow bei Börnicke den Damm, der nach Nauen führt. Bei einem Jägerhaus hielt er an und verlangte zu trinken. Der Jäger erkannte Dietrich von Quitzow und erschrak. Dietrich fragte ihn: &#8222;Kennst du mich?&#8220; Der Jäger antwortete: &#8222;Ja, Herr, ich habe euch früher gekannt.&#8220; Dietrich fragte weiter: &#8222;In wessen Diensten stehst du?&#8220; Er erhielt zur Antwort: &#8222;In den Diensten der Stadt Nauen.&#8220; &#8222;Nun gut&#8220;, erklärte Dietrich, &#8222;so bist du mein Gefangener, denn der Stadt Nauen soll es gelten.&#8220; &#8222;O Herr, schont meiner&#8220;, bat der Jäger, &#8222;ich habe euch ja nie etwas zuleide getan! Schont auch die Stadt, die nichts verbrochen hat.&#8220; Dietrich erwiderte:&#8220; Was weißt du armseliger Wicht, ob sie etwas verbrochen hat oder nicht. Es ist genug, dass sie eurem neugeschaffenen Markgrafen gehört. (gemeint ist der von Nauen gehuldigte Burggraf Friedrich von Nürnberg) Aber man soll nicht sagen, dass Dietrich von Quitzow die ungewarnte Stadt überfallen habe. Lauf zur Stadt und verkünde, dass ich da sei, um mit ihr feindlich zu verfahren. Aber nur eine Stunde gebe ich ihr Zeit, sich zu rüsten. Eine Stunde nach deinem Abgange von hier breche ich auf.&#8220; Der Jäger lief, was seine Beine vermochten, und hatte den langen Damm, der sonst erst etwa in 1 1/2 Stunden zurückgelegt werden kann, in der Hälfte der Zeit geschafft.</p>



<p>Er kam atemlos in der Stadt an, sein Notruf hatte aber wenig Erfolg, denn fast alle Einwohner waren vor den Toren der Stadt mit der Ernte beschäftigt. Die Bestürzung der Zurückgebliebenen war grenzenlos. sollten sie ihre beweglichen Habe retten, oder die Einwohner vom Felde rufen? Das eine war so notwendig wie das andere. Endlich kamen die am nächsten an der Stadt arbeitenden Männer in Hast gelaufen, aber die Stunde war bereits verflossen und Dietrich stand vor dem Tore. Man hatte das Tor zwar in Eile geschlossen, aber die Zugbrücke über den Graben nicht aufgezogen. Die wenigen Einwohner, die in der Stadt zurückgeblieben waren, konnten keinen ernsthaften Widerstand leisten. Das Tor wurde gesprengt, und die Quitzowschen Räuber jagten in die Stadt. Dietrich ließ die wehrlose Stadt anzünden, seine Knechte plünderten die Häuser, und als die Flammen emporloderten, ließ Dietrich zum Rückzug blasen und zog auf dem Wege zurück, den er gekommen war. Die Stadt brannte fast ganz ab. Die bereits eingebrachte Ernte war verloren. Das Vieh wurde fortgeführt. Bei der großen Hitze und der anhaltenden Dürre waren die hölzernen, mit Stroh gedeckten Häuser bald niedergebrannt, besonders, da niemand zum Löschen da war.&#8220; Der von Quitzow angerichtete Schaden betrug schätzungsweise 5000 Schock Böhmischer Groschen. Der Kurfürst musste die Stadt auf Jahrzehnte von ihren Abgaben befreien, und es dauerte Jahrhunderte, bis die Stadt ihre bisherige Blüte wieder erreichte.</p>



<p>Quelle: Aufzeichnungen Fritz Warncke († 2017)<br>Zeichnung: Joachim Horn († 2020)</p>
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		<title>Nauen und das Unglück des 30jährigen Krieges</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Feb 2020 10:39:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ereignisse]]></category>
		<category><![CDATA[Nauen Ausführlich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Dreißigjährige Krieg brachte auch der Stadt Nauen furchtbare Not und großes Elend. Die Entwicklung der Stadt wurde um Jahrzehnte zurückgeworfen. Berichte aus dieser Zeit besagen, dass kaum eine märkische Stadt so zu leiden hatte wie Nauen, weil es an der Hauptstraße der in der Nord-Süd- Richtung verlaufenden Raubzüge durch das Luch lag. Die erste [&#8230;]</p>
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<p>Der Dreißigjährige Krieg brachte auch der Stadt Nauen furchtbare Not und großes Elend. Die Entwicklung der Stadt wurde um Jahrzehnte zurückgeworfen. Berichte aus dieser Zeit besagen, dass kaum eine märkische Stadt so zu leiden hatte wie Nauen, weil es an der Hauptstraße der in der Nord-Süd- Richtung verlaufenden Raubzüge durch das Luch lag. </p>



<span id="more-657"></span>



<p>Die erste Bekanntschaft mit dem Krieg macht die Stadt Nauen im Jahre 1626 mit den durchziehenden Truppen des protestantischen Grafen Ernst von Mansfeld. Dieser war an der Dessauer Elbbrücke im April 1626 von dem Heer Wallensteins besiegt worden. Er flüchtete über Brandenburg in unsere Gegend, um sein Heer neu aufzufrischen. Dabei handelte er selbstverständlich auch nach dem Motto &#8222;Der Krieg muss den Krieg ernähren&#8220;. Am 18.4.1626 erschienen drei Schwadronen Reiter am Mühlentor und forderten Einlass. Als die Bürger Nauens diesen Mansfeldischen Truppen den Einlass verwehrten, wurde das Tor mit einer Kanone zusammengeschossen, und die Soldaten machten Quartier. Aus Rache für den Widerstand der Nauener Bürger schleuderten die Truppen beim Verlassen der Stadt Brandfackeln in die am leichtesten brennbaren Gebäude, so dass sie, in Flammen aufgingen und die Stadt ganz niederbrannte. Über das Ausmaß des Brandes heißt es in einem Brief des Pfarrers zu Bredow am 27.4.1626: &#8222;Um 10 Uhr nachts brennt die ganze Stadt mit <a href="https://nauen.eu/die-evangelische-sankt-jakobi-kirche-nauen/">Kirche</a>, Schule, Rathaus und Turm. Nur das Mauerwerk vom Turm blieb stehen. Viele Menschen verließen bloß und nackt die Stadt, andere kamen um. In der Kirche, die vollständig ausbrannte, wurden 6 Tote gefunden. Das Obdachlose Nauener Volk hatte daraufhin in Niebede und Gohlitz unterschlupf gefunden.&#8220; Es muss hier noch hinzugefügt werden, dass sich der Brand deshalb so schnell verbreiten konnte, weil die Dächer der Häuser um diese Zeit noch mit Rohr oder Stroh bedeckt waren.<span style="font-size: 12pt;"> </span></p>



<h2 class="wp-block-heading">Nauen hatte großen Aderlass</h2>



<p>Im Jahre 1627 folgte ein neues Unglück. Nachdem Wallenstein in diesem Jahr die Trümmer des Mansfeldischen Heeres aus Schlesien vertrieben hatte, kamen die Wallensteinischen Truppen bei ihrer Verfolgung des Dänischen Heeres in die Mark. Auch bei diesen Kriegszügen litt des Land fürchterlich, da es nicht nur die Truppen unentgeldlich nähren, sondern auch schwere Kriegssteuern zu ihrer Löhnung zahlen musste. In einer Bittschrift der Nauener Stadtväter an den Kurfürsten im Jahre 1627 wird von drei Kompanien Fußvolk und 1200 Pferden gesprochen, die von der völlig verarmten Bevölkerung ernährt werden mussten. Außerdem musste die Bevölkerung <a href="https://www.duden.de/rechtschreibung/Schanzarbeit">Schanzarbeiten</a> verrichten, wodurch auch der Damm, die Lebensader Nauens, &#8222;… gar vertorben&#8220; wurde. (Der Ausdruck entstammt einem zeitgenössischen Bericht.) Die Schäferei und das Vorwerk Nauens wurden täglich geplündert. Die Bauern konnten ihr Getreide nicht einfahren, da die Pferde für die Schanzarbeiten Holz fahren mussten. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde für diese Befestigungsarbeiten verwandt, ganz gleich, ob es sich um Scheunentore, Dielen oder Gehege handelte. In einer Liquidation vom 10.3.1628 finden wir eine Aufstellung der durch die Wallensteinischen Truppen erlittenen Verluste: Insgesamt wurden von der Stadt 400 Taler Kontribution verlangt, sowie 35 Rinder, 31 Schweine und 109 Hammel von Soldaten geraubt und geschlachtet. Weiterhin wurden bis zu diesem Zeitpunkt 230 Pferde gestohlen. Die Gesamtschadensumme beträgt nach dieser Urkunde 8179 Taler, 5 Groschen, 9 Pfennige. Um einen Oberblick über die wirkliche Höhe der erwähnten Verluste zu erhalten, seien nur folgende damals handelsübliche Preise angeführt:<span style="font-size: 12pt;"> </span></p>



<p>1 Schwein kostete 2 Taler<br>1 Kuh kostete 5 Taler<br>1 Pferd kostete 10 Taler</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die kleinen Ackerbürger mussten große Armut erfahren</h2>



<p>Im Verlaufe dieser Raubzüge fremder Soldaten in Nauen gibt es auch Beispiele des Klassenkampfes innerhalb der Nauener Bevölkerung. So gab es nicht wenige Versuche der Nauener Großbürger, die Last des Krieges auf die kleinen Ackerbürger der Stadt abzuwälzen. Dabei kommt es zu harten Kämpfen, die nur mit Gewalt vom Kurfürsten und mit Hilfe des Klerus unterdrückt wurden:<br>Im Jahre 1629 hatte sich ein gewisser Oberst Altringer mit seiner Kompanie Soldaten in Rathenow niedergelassen. In diesen Tagen verlangte er vom Nauener Magistrat eine Kontribution in Höhe von 2000 Talern sowie für 1.000 Taler Tuch und Getreide. Bei Nichtzahlung sollte sich die Kontribution täglich erhöhen. Zur Eintreibung der Forderungen beließ der Oberst 24 Soldaten in Nauen. In einer Volksversammlung aller Bürger Nauens vor dem Rathaus wurde diese Forderung Altringers bekanntgegeben. Die Magistratsherren verfügten, dass jeder Bürger, unabhängig von der Größe seines Besitzes, eine Kuh zu liefern habe. Das bedeutete natürlich eine Abwälzung der Schuldenlast auf die kleinen Ackerbürger, die auf diese Art und Weise ihre einzige Kuh losgeworden wären, während es die Großgrundbesitzer weniger getroffen hätte, da sie zweifellos über mehr Vieh verfügten. Hierbei kam es zu einem offenen Aufstand der Nauener Ackerbürger gegen die Herrschaft der Patrizier. In einem hilfeflehenden Beschwerdebrief des Stadtrates an den Kurfürsten finden wir u.a. die Worte &#8222;… sie debochieren mit Schelt-, Schmäh- und Drohworten und zeigen allerlei Mutwille und Rebellion&#8230;.&#8220; Außerdem verkauften oder schlachteten die kleinen Ackerbürger zum Zeichen des Widerstandes gegen diese Anordnung des Magistrats ihr Vieh, so dass sie nichts mehr abgeben konnten. Durch diesen Aufstand wurde die Zahlung der Viehkontribution durch die Großbürger von der Stadtarmut erzwungen. Allerdings wurden die Anführer des Aufstandes durch einen Befehl des Kurfürsten mit einem Kanzelablass der Kirche bestraft.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zu allem kam dann noch die Pest nach Nauen</h2>



<p>Die Ausplünderung der Stadt Nauen durch fremde Truppen ging etwa bis zum Jahre 1644. Im bunten Wechsel erschienen Schweden, Kaiserliche und Kursachsen, die brandschatzten, raubten, die Bevölkerung erpressten und die Frauen schändeten. Noch im Jahre 1641 wurde der Nauener Bürgermeister Dänicke wegen Verweigerung der Kontribution von fremden Truppen erschossen. Die Gesamtsumme der von der Stadt im Dreißigjährigen Krieg gezahlten Kriegskontribution belief sich 1644 auf 79.179 Taler.<br>Zu allem Unglück kam 1638 noch die Pest, bei der fast die Hälfte der Einwohner Nauens starben. Bardey berichtet, dass die Pest besonders schlimm unter den im Glien sitzenden Schweden wütete, die aus Furcht vor dieser Krankheit in die Wälder flohen. Aus dieser Zeit soll auch die jenseits des Dammes liegende Schwedenschanze stammen. Um sich vor einer weiteren Ansteckung zu schützen, trugen die Nauener die Holzbrücke über den Graben, der den Damm am späteren Strandgarten kreuzt, ab. Nach zeitgenössischen Berichten lagen die Leichen in der Stadt auf der Straße umher, und hungernde aßen stinkendes Aas. An den Häusern der mit Pest befallenen Familien hingen rote Pestlaternen. Für den Transport der Leichen zum Friedhof gab es besondere Pestwegen. Es dauerte sehr lange, bis sich die Stadt Nauen von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges und der Pest erholt hatte. Mehrfach musste der Magistrat den preußischen Fürsten um Steuererleichterungen zur Milderung der Not und zum Wiederaufbau der Stadt ersuchen.</p>



<p>Quelle: Aufzeichnungen Fritz Warncke († 2017)<br>Zeichnung: Joachim Horn († 2020)</p>
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